Ausrüstung
Quelle: Trainertipps Dezember 2023
Zunächst möchte ich Euch ein paar Tipps geben, was Ihr in Eurem Bogenkoffer, Bogenrucksack bzw. Wettkampftasche immer dabeihaben solltet. Im Freien oft mehr als in der Halle.
1. Ausrüstung
Zu Eurer Ausrüstung muss ich eigentlich nichts sagen; Ihr wisst alle, was Ihr zu einem Wettkampf benötigt. Es lohnt sich allerdings, den Inhalt vor der Abfahrt noch einmal zu kontrollieren, dann kommt es nicht vor, dass man ohne Visier beim Wettkampf steht.
- Bogen (Mittelteil, Button, Pfeilauflage)
- Wurfarme,
- Visier (ein Ersatzkorntunnel ist kein Luxus, wenn ein Bogen umfällt, gehen die gern kaputt)
- Stabilisatoren, Spinne, Dämpfer
- Pfeile (mindestens 2 mehr als pro Passe geschossen werden)
- Sehne (und eine eingeschossene Ersatzsehne)
- Tab (davon sollte man zwei haben, die beide eingeschossen sind)
- Bogenschlinge (auch davon möglichst zwei, da sie gern verlorengehen)
- Armschutz
- Bruststreifschutz (wenn Ihr einen verwendet)
- Bogenständer
- Spannschnur (nicht überall findet Ihr einen Bogenspanner)
- Köcher
- Pfeilzieher
- Kugelschreiber, Bleistift, Notizblock
- Werkzeug für Bogen und Zubehör (alle erforderlichen Innensechskantschlüssel, bogenspezifisches Werkzeug, scharfes Messer, Feuerzeug, Wurfarmschablonen, Schraubendreher...)
- Kleines Handtuch
- Schützenausweis, Startkarte und Personalausweis (bei Meisterschaften)
Verschiedene Kleinigkeiten benötigt man nicht oft, sollte sie aber dennoch greifbar haben:
- Sehnenwachs
- Material für Nockpunkte (je nachdem, welche Nockpunkte Ihr verwendet), z.B. Zahnseide, Klemmnockpunkte (und die zugehörige Zange)
- Kleber
- Klebeband
- Ersatznocken (manche Schützen haben verschiedenen Nockenfarben dabei und tauschen diese eventuell aus, damit sie auf der Scheibe ihre Pfeile leichter erkennen)
- Ersatzfedern (sofern man diese leicht austauschen kann (z.B. Spinwings o. ä.)
- Brillenputztücher (auch für die Sonnenbrille)
2. Was ist im Freien zusätzlich nützlich?
Zusätzlich zu der Ausrüstung, die Ihr möglichst in einem Koffer oder Rucksack aufbewahren solltet, rate ich zur Anschaffung einer kleinen Tasche, oder Rucksack, in die man die folgenden Ausrüstungsgegenstände verpacken (und auch aufbewahren) kann:
- Regenjacke (enganliegend)
- Regenhose
- Regenschuhe (ersatzweise tun es dazu zwei große Plastik-Tüten, die man mit Klebeband zubinden kann. Sieht dämlich aus, macht aber trockene Füße)
- Regenschirm, kann man auch gut als Sonnenschirm nutzen
- Faltstuhl zum ausruhen
- Anglerzelt gegen Sonne und Regen
- Mütze
- Trockene Kleidung zum Wechseln (T-Shirt, Sporthose) für den Fall, dass es regnet
- Hilfsmittel gegen verschwitzte Hände (Antitranspirant, Babypuder)
3. Was sollte man noch einpacken?
Was sollte man noch zusätzlich einpacken? Meiner Meinung nach könnte dazu folgendes gehören:
- Ersatzstifte
- Zusätzliche Kleidung gegen Kälte (T-Shirt mit langen Ärmeln)
- Geld
- Trainingsjacke zum Überziehen in den Pausen
- Etwas zu essen für den Fall, dass man beim Wettkampf nichts einkaufen kann. Dabei nichts Belastendes und keine „Zuckerbomben“ nehmen.
- Etwas zu trinken für den Fall, dass man beim Wettkampf nichts einkaufen kann
- Pflaster
- Alle erforderlichen Medikamente (was Ihr braucht, wisst Ihr selbst)
Einstellungen am Bogen
Quelle: Trainertipps Mai und Juni 2025
Es wird davon ausgegangen, dass wir einen Bogen komplett neu aufbauen und einstellen. Im ersten Teil geht es um die Grundeinstellungen, im zweiten Teil kümmern wir uns auch um die Abstimmungsarbeiten und die dazu notwendigen Tests. Wenn man sich mit diesen Themen beschäftigt, findet man (so man sucht) viele mehr oder weniger ausführliche Anleitungen in Büchern, auf Websites oder auch als Video auf YouTube.
Dennoch möchte ich eine weitere Anleitung für unsere Sportler schreiben, da ich nicht mit allen diesen erwähnten Anleitungen einverstanden bin und teilweise auch eigene Ansichten zu bestimmten Themen habe. Ich verstehe meine Ausführungen jedoch nicht als der Weisheit letzter Schluss und bin für jede Kritik und Anregung offen.
Wenn man sich das selbst nicht zutraut, kann man natürlich auch beim Bogenhändler seines Vertrauens diese Einstellungen vornehmen lassen.
Grundeinstellungen am Bogen
Die Einstellungen und Prüfungen, die in den folgenden Abschnitten beschrieben sind, sind für alle Recurve-Bögen gültig, egal, ob sie als Blankbogen oder als olympischer Recurvebogen mit Visier geschossen werden. Wenn es zwischen den Bogenarten Unterschiede gibt, werde ich speziell darauf hinweisen. Es werden nur Bögen behandelt, die zerlegbar sind, also aus Mittelteil und zwei Wurfarmen bestehen. Bögen, die aus einem Stück bestehen (wie z.B. Langbogen, Reiterbogen) gehören nicht in diese Kategorie.
Alle modernen Recurvebögen bestehen heutzutage aus einem Mittelteil und zwei Wurfarmen. Es gibt verschiedene Methoden, die Wurfarme am Mittelteil zu befestigen, aktuell sind allerdings nur noch das sog. ILF-System (international limb fitting) und das Formula-System von Hoyt gängig, die allerdings nicht zueinander kompatibel sind, d.h. die jeweiligen Wurfarme lassen sich nicht im anderen System montieren. Ältere Bögen (teilweise auch die Holzbögen, die wir im Verein haben) verwenden noch Schraubverbindungen, die wir im Folgenden nicht behandeln.
1 oberer/unterer Wurfarm
Allen genannten Systemen ist gemeinsam, dass es einen oberen und einen unteren Wurfarm gibt. Diese beiden Wurfarme sind nicht genau gleich und sind üblicherweise mit „lower“, „bottom“ oder „btm“ markiert bzw. mit „upper“ oder „top“. Die in Abbildung 1 mit den roten Pfeilen gekennzeichneten Markierungen findet man an dem Ende, welches im Mittelteil befestigt wird, auf der Innenseite.
Abbildung 1: 
Die anderen Angaben auf den Wurfarmen geben an, welche nominelle Stärke (in Pfund = lbs) die Wurfarme in verschieden langen Mittelteilen ergeben. Die Wurfarme in der Abbildung ergeben in einem Mittelteil der Nennlänge 25 (23) Zoll einen Bogen der Nennlänge 70 (68) Zoll mit einem Zuggewicht von 24 (26) Pfund. Diese Angabe gilt genaugenommen nur bei einem genau definierten Normauszug von 28 Zoll.
An die englischen Maßeinheiten müssen wir uns als Bogenschützen leider genauso gewöhnen wie an die Tatsache, dass an nahezu allen Bögen alle Gewinde Zoll-Maße haben.
Um beim Einstellen des Bogens immer die gleichen Voraussetzungen zu haben, sollten die Wurfarme auch immer in den entsprechenden Positionen eingebaut werden.
Fast jeder Schütze hat schon einmal im Eifer des Gefechts die beiden Wurfarme vertauscht und sich gewundert, warum der Bogen anders schießt. Früher gab es eine FITA-Regel, dass der obere Wurfarm auf der Innenseite keinerlei sichtbare Markierungen haben darf und damit konnte man schnell erkennen, wenn man seinen Bogen falsch montiert hat. Diese Regel gibt es nicht mehr (auf Druck der Hersteller) und daher tragen beide Wurfarme heute meist auch auf der Innenseite Markierungen, die in aller Regel die Schrift immer in Einbaurichtung lesbar haben.
Ich rate jedem Schützen auf einem der Wurfarme eine deutlich sichtbare Markierung anzubringen, mit deren Hilfe er einfach prüfen kann, ob die Montage richtig ist. Rolf Kühn bringt z.B. einen kleinen Aufkleber am unteren Wurfarm an.
2 Wurfarmausrichtung prüfen und einstellen
Nachdem wir festgestellt haben, welcher Wurfarm oben bzw. unten montiert werden muss, werden die Wurfarme mit den Schwalbenschwanzführungen im Mittelteil befestigt. Achtet darauf, dass der Schlitz unter den Tillerschrauben liegt und dass beide Wurfarme sicher und hörbar einrasten. Beachtet bitte, dass man den Bogen nun aber nicht an einem der Wurfarme tragen kann, da die Befestigung dazu nicht stark genug ist. Mir ist einmal, da ich das nicht beachtet habe, mein Bogen heruntergefallen.
Spannt nun die Sehne auf. Dabei verwendet Ihr bitte nur eine Spannschnur oder einen Bogenspanner und biegt den Bogen nicht über die Hüfte, wie man es gelegentlich bei manchen Schützen sieht. Man kann sich bei falschem Aufspannen die Wurfarme verdrehen und damit irreparabel beschädigen.
Nun prüft Ihr, ob die Sehne genau mittig über den Bogen verläuft. Dazu kann man die Schablonen verwenden, die es von der Fa. Beiter zu kaufen gibt (siehe Abbildung 2), man kann aber auch auf den Wurfarmen mit Hilfe von Klebestreifen und einem Filzstift Mittenmarkierungen anbringen, die man nach der Prüfung wieder entfernen kann.
Abbildung 2: 

Die Schablonen werden auf die Innenseiten der Wurfarme geklippt und man betrachtet dann den Bogen von der Sehne aus mit einem gewissen Abstand um den Verlauf gut sehen zu können. Wenn man schon das Geld ausgibt, kann man sich auch die Schablonen für die Wurfarm-Enden kaufen, mit denen man an den Enden der Wurfarme prüfen kann, ob die Wurfarme in sich verdreht sind.
Für einen schnellen Check, den man auch mal während eines Wettkampfs machen kann, genügt es, den Verlauf der Sehne über die Tillerschrauben zu prüfen. Wenn man nun feststellt, dass die Sehne nicht mittig über die Wurfarme und das Mittelteil verläuft, muss man die Wurfarme korrekt einstellen. Dazu gibt es, je nach Hersteller verschiedene Verfahren und es ist dazu notwendig, die Gebrauchsanleitung des Bogens genau zu lesen. Einige Modelle von Hoyt verwenden ein etwas umständliches Verfahren mit kleinen Unterlagscheiben („hard-lock alignment system“), während Modelle anderer Hersteller mit Verstell-Mechanismen arbeiten, was ich persönlich für ein besseres Verfahren halte. Egal aber welches System verwendet wird, das Ziel ist, dass die Sehne genau mittig über den Bogen verläuft (siehe Skizze = Abbildung 3).
Abbildung 3: 
Lasst Euch bei der Einstellung Zeit und macht es sorgfältig. Macht die Änderungen nicht unter Spannung, sondern spannt den Bogen ab, bevor Ihr den Verstellmechanismus betätigt (bei Hoyt-Bögen geht es sowieso nicht anders). Nach jeder Änderung zieht Ihr die Sehne wieder auf und spannt den Bogen mehrmals, bevor Ihr wieder prüft.
Ein Problem bei dieser Einstellung ist immer, den Bogen aufgespannt irgendwo hinstellen zu müssen, um den Sehnenverlauf zu prüfen. Dazu hat die Fa. Beider einen Halter entwickelt, der aber etwas teuer ist. Ihr könnt das auch mit Hilfe eines anderen Schützen machen, der Euch den Bogen zur Besichtigung gerade hält.
3 Sind die Wurfarme verwunden?
Als nächstes prüfen wir, ob die Wurfarme, die jetzt korrekt ausgerichtet sind, verwunden (also in sich verdreht) sind. Dazu benutzen wir einfach vier Pfeile und legen den Bogen dazu entweder auf zwei Stühle (wie in Abbildung 4) oder aber wir benutzen den Beiter-Halter.
Abbildung 4: 
Achtet darauf, dass die Pfeile wirklich senkrecht zur Richtung der Wurfarme liegen und peilt dann entlang der Sehne über die Pfeile. Wenn die Wurfarme nicht verwunden sind und die Wurfarm-Auflagen im Mittelteil wirklich parallel sind, dann liegen die Pfeile auch parallel zueinander. Die Prüfung kann man unterstützend auch mit den Schablonen für die Wurfarm-Enden (siehe Abbildung 2) vornehmen.
Eine geringfügige Verdrehung schadet nichts, bei einer stärkeren Verdrehung sollte man entweder die Wurfarme oder das Mittelteil (je nachdem, wo die Verdrehung herkommt) dem Händler zurückgeben. Um zu vermeiden, sich mit dem Händler darüber zu streiten, ob man selbst die Verdrehung durch falsche Montage verursacht hat, sollte man diese Überprüfung wenn möglich, direkt beim Kauf vom Händler vornehmen lassen.
Es gibt einige wenige Mittelteile, die mit Verstellmechanismen versehen sind, mit denen man geringfügige Verdrehungen ausgleichen kann, im Notfall kann man versuchen durch geeignetes Unterlegen der Wurfarme in den Wurfarmaufnahmen mit dünnen Unterlagen (z.B. Blechen aus einer Fühlerlehre) die Ausrichtung der Wurfarme zu korrigieren.
4 Tiller einstellen
Als Tiller bezeichnet man die Differenz der Sehnenabstände am oberen und am unteren Wurfarm, also: Tiller = Abstand oben – Abstand unten.
Dabei werden die beiden Abstände so gemessen, wie in Abbildung 5 zu sehen ist.
Abbildung 5: 
Achtet darauf, dass der Checker (habt Ihr doch, oder?) sauber am Wurfarm und am Bogen anliegt und bewegt das andere Ende leicht nach oben und unten, bis Ihr das kleinste Maß ermittelt habt.
Dann zieht Ihr die beiden ermittelten Werte voneinander ab und kommt auf den Tillerwert.
Zur Einstellung des Tillers schaut Ihr bitte in die Bedienungsanleitung Eures Mittelteils, diese Einstellung ist bei allen Fabrikaten ein wenig anders. Typischerweise muss man dazu die Sicherungsbolzen der Tillerschrauben öffnen, dann die Tillerschrauben in die gewünschte Richtung drehen und anschließend die Sicherungsschrauben wieder festziehen.
Als ersten Anhaltswert kann man den Tiller eines Bogens zunächst auf ca. 4 mm einstellen, moderne Bögen haben typischerweise etwas weniger Tiller als ältere Fabrikate, bei denen auch Werte von 8 mm nicht unüblich waren. Blankbogenschützen, die mit Abgreifen schießen, haben teilweise auch negative Tillerwerte.
Wenn Ihr gut und konstant schießt, könnt Ihr versuchen, den für Euch, Euren Bogen und Euren Schießstil passenden Tillerwert auszuschießen, in dem Ihr den Tiller verstellt und dann die Größe der Gruppierungen, die Ihr erreicht, messt und die Lautstärke des Bogens vergleicht. Der optimale Wert ist dann der, bei dem die Gruppe am höchsten steckt und der Bogen am leisesten ist. Man kann auch mit einer Kamera versuchen, die Wurfarme beim Lösen zu filmen und über die Einzelbilder zu sehen, ob die Wurfarme gleichzeitig am Endpunkt ankommen.
Eventuell findet Ihr in der Literatur noch die Bezeichnungen statischer und dynamischer Tiller. Was das bedeutet, seht Ihr in Abbildung 6, in der auch noch den Unterschied zwischen rechnerischer (geometrischer) und energetischer Mitte des Bogens dargestellt ist.
Abbildung 6: 
5 Standhöhe messen und einstellen
Die nächste Einstellung ist die der Standhöhe. Die Standhöhe eines Bogens ist der Abstand der Sehne zum tiefsten Punkt der Griffschale, was bei üblichen Bögen gleich dem Abstand zwischen Sehne und Button ist (sofern man nicht an der Griffschale herumgefeilt hat, oder aber sich eine eigene Griffschale gebaut hat).
Für den Wert der Standhöhe gibt es Erfahrungswerte in Abhängigkeit der Bogengröße. Folgende Werte findet man immer wieder in der Literatur, wobei es immer kleine Abweichungen zwischen den Autoren gibt. Am besten schaut Ihr in die Bedienungsanleitung Eures Mittelteils.
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Bogenlänge (Zoll) |
Standhöhe (cm) |
|
64 |
19...20 |
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66 |
20...21 |
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68 |
21...23 |
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70 |
22...24 |
Auch hier gilt, dass man, wenn man über den Anfängerstatus hinaus ist, somit besser und konstanter schießen kann, den für sich und seinen Bogen passenden Wert ausschießt. Dabei verändert man die Standhöhe in kleinen Schritten und misst dann die Größe der Gruppierungen, die man erreicht. Der optimale Wert ist dann wieder der, bei dem Ihr die kleinsten Gruppen schießt.
Die Standhöhe wird verändert, indem man die Sehne ein- bzw. ausdreht. Durch Eindrehen wird die Sehne kürzer und die Standhöhe wird größer, durch Ausdrehen wird die Sehne länger und die Standhöhe somit kleiner. Eine Sehne muss daher schon von Anfang an etwas eingedreht sein, damit sie zur Anpassung gegebenenfalls auch etwas ausgedreht werden kann.
Damit sich die Sehne nach dem Abspannen des Bogens nicht wieder unkontrolliert ausdrehen kann, steckt man nach dem Abspannen die Sehnenöhrchen ineinander und verhindert so das Verdrehen.
Im Übrigen sollte man bei jedem Aufspannen des Bogens die Standhöhe überprüfen und auf den ermittelten Wert einstellen, damit sichergestellt ist, dass sich der Bogen immer gleich verhält. Damit man sich den Wert nicht merken muss, ist es praktisch auf dem Checker eine passende Markierung (z.B. Klebeband) anzubringen.
5 Pfeilauflage einstellen
Ich gehe davon aus, dass an Eurem Bogen eine Pfeilauflage angebracht ist, deren Finger einstellbar ist, da man mit einer solchen Auflage den Pfeil richtig vor den Buttonkopf positionieren kann. Mit den billigeren Klebeauflagen von Hoyt geht das mit etwas „Gefummel“ auch. Die meisten Auflagen haben heutzutage einen Finger, der beim Schuss wegklappt und so den Pfeil nicht ablenkt.
Richtig eingestellt ist die Pfeilauflage, wenn es von hinten (bei einem Rechtshandbogen) betrachtet aussieht, wie in Abbildung 7 dargestellt. Der Pfeil sollte möglichst genau mittig vor dem Buttonkopf liegen. Der Auflagefinger sollte nur sehr wenig über den Durchmesser des Pfeils hinausragen, da sonst die Gefahr besteht, dass beim Lösen der Auflagefinger die Pfeilbewegung stört.
Abbildung 7: 
Zur Pfeilauflage noch eine kurze Bemerkung. Ein Recurve-Schütze kann so ziemlich jede Pfeilauflage schießen, die es auf dem Markt gibt, da bei ihm der Pfeil, wenn alles richtig eingestellt ist, sauber aus dem Bogen fliegt. Ein Blankbogenschütze, der mit Abgreifen schießt, sollte auf die Verwendung filigraner Auflagen (z.B. Shibuya) verzichten, da bei ihm im Lösemoment Kräfte entstehen, die die Auflage beschädigen können (vgl. Abbildung 8).
Diese Kräfte kommen daher, dass im Moment des Lösens durch die räumliche Trennung von Zugfinger (Krafteinleitung) und Nocke der Punkt der Krafteinleitung quasi schlagartig von den (jetzt nicht mehr vorhandenen Fingern) zur Nocke wandert. Dadurch bewegt sich der untere Wurfarm für die dazu benötigte Zeit „leer“ und erreicht so eine höhere Geschwindigkeit als der obere Wurfarm.
In dem Moment, in dem die Krafteinleitung bei der Nocke angekommen ist, haben die beiden Wurfarme unterschiedliche Geschwindigkeiten und die Nocke erhält einen starken Schlag nach unten, der Pfeil beginnt vertikal zu schwingen und drückt somit auf die Pfeilauflage.
Abbildung 8: 
6 Pfeilausrichtung einstellen
Eine der letzten Einstellungen am Bogen ist die Grundstellung des Pfeils. Um sicher zu sein, dass der Pfeil korrekt geschossen wird, sollte er an der Spitze ein wenig nach links (gültig für Rechshandschützen) zeigen. Diese Ausgangsstellung erreicht man durch die Stellung des Button-Fingers.
Es gibt kein genaues Maß für diese seitliche Auslenkung des Pfeils. Üblicherweise wird diese Auslenkung eingestellt, in dem man einen Pfeil einnockt und auf die Pfeilauflage legt. Nun peilt man von hinten (also über die Sehne) und prüft, wie weit der Pfeil über die Sehne reicht. Wenn man neben der Sehne ungefähr einen halben Durchmesser erkennen kann ist das für den Anfang ausreichend. Es muss nur sichergestellt sein, dass der Pfeil links von der Sehne liegt.
Die endgültige Stellung des Buttons und der Druck der Buttonfeder wird (sehr viel später, wenn sich der Schießstil gefestigt hat) mit dem Berger-Test überprüft und eventuell korrigiert.
Außerdem gibt es eine Anleitung, wie man diese seitliche Auslenkung errechnen kann, dazu benötigt man allerdings das Maß für den sog. „Center-Schnitt“ des Bogenfensters (wie weit ist dieses gegenüber der geometrischen Mitte des Bogens ausgeschnitten?), was leider heutzutage bei Bögen nicht mehr angegeben wird und nur schwer zu messen ist.
Abbildung 9: 
7 Visier mittig und Visierschlitten parallel zur Sehne
Wenn man schon am Peilen ist, kann man auch gleich überprüfen, ob das Visierkorn mittig hinter der Sehne liegt und der Visierschlitten parallel zur Sehne.
Solange man nur auf eine Entfernung schießt, ist eine eventuelle Schiefstellung des Visierschlittens nicht von Belang, sobald aber Entfernungen gewechselt werden und daher der Visierschlitten verschoben werden muss, hätte ein schief stehender Visierschlitten unterschiedliche seitliche Abweichungen bei unterschiedlichen Entfernungen zur Folge.
8 Dicke der Mittelwicklung prüfen
Bevor nun die Nockpunktbegrenzer auf die Sehne gesetzt werden, sollte man noch überprüfen, ob die Mittelwicklung zu den verwendeten Nocken passt. Dazu nockt man einen Pfeil ein und prüft, ob er durch das Eigengewicht wieder von der Sehne fällt. In diesem Fall wäre die Mittelwicklung deutlich zu dünn und es muss unbedingt eine neue mit einem dickeren Wickelgarn aufgebracht werden.
Wenn der Pfeil auf der Sehne hält, dann zieht man leicht an dem Pfeil und schaut, wie weit die Sehne sich durch den Zug mitbewegt, bis sie ausnockt. Das Maß sollte zwischen 5 mm und max. 10 mm liegen. Hält die Sehne stärker, so sollte eine dünnere Mittelwicklung angebracht werden.
9 Nockpunkthöhe
Der Nockpunkt ist die Stelle, an der die Pfeilnocke sitze, wenn der Pfeil ausgezogen wird. Meist bezeichnet man die Markierungen auf der Sehne als Nockpunkte, was nicht ganz korrekt ist, da der Pfeil zwischen den beiden Markierungen eingenockt wird und diese Markierungen korrekterweise Nockpunktbegrenzer heißen.
Auch wenn einer dieser Begrenzer (nämlich der obere) ausreichen würde, empfehle ich immer zwei Markierungen zu setzen, damit der Pfeil sicher geführt ist. Außerdem kann man so leicht erkennen, wenn sich einer der Begrenzer lockert und seine Lage verändert.
Der Nockpunkt soll so auf der Sehne sitzen, dass der Pfeil möglichst gerade abgeschossen wird. Er sitzt nie genau hinter der Pfeilauflage sondern immer ein klein wenig erhöht (Nockpunktüberhöhung), da wir den Pfeil nicht genau in der geometrischen Mitte des Bogens anlegen (Abbildung 10).
Abbildung 10: 
Die Nockpunktposition wird von folgenden Parametern beeinflusst, wobei der Einfluss eines einzelnen Parameters nur selten deutlich bemerkt wird. Es spielen meist alle diese Parameter zusammen und daher muss der Nockpunkt bei jeder Veränderung des Setups überprüft und ggf. angepasst werden:
- Zuggewicht
- Eventuell Standhöhe
- Eventuell Tiller
- Pfeilgewicht/-steifigkeit (Spine)
- Schießstil (Zugkraftverteilung auf den Fingern, Druckpunkt am Griff).
Man misst die Nockpunktposition mit einem Checker (Abbildung 11). So ein Teil sollte man haben, da man damit auch die Standhöhe messen kann. Damit man sich keine Werte merken muss (notieren), kann man auf dem Checker eine Markierung anbringen (wenn man für Sommer und Winter unterschiedliche Pfeile schießt braucht man unter Umständen auch unterschiedliche Nockpunktpositionen).
Abbildung 11: 
Für einen Anfänger ist die genaue Nockpunkthöhe nicht wichtig, es muss nur sichergestellt werden dass der Nockpunkt oberhalb des Lotpunkts der Pfeilauflage zur Sehne liegt. Eine Nockpunkthöhe von 8...10 mm ist erst einmal nicht falsch.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten seine Nockpunktposition zu markieren.
- Klemm-Nockpunkte (Saunders) aus Metall
Kennt jeder, werden mit einer speziellen Zange montiert und können bei falscher Montage wandern. Beschädigen das Tab-Leder, wenn sie nicht sehr sorgfältig angebracht werden.
- Gewickelt aus Garn
Einfach zu machen, sind leichter als die Klemmnockpunkte und halten, wenn sie gut gemacht sind so lange wie die Sehne (Zahnseide hält nicht lang, ist aber für schnelle Reparaturen unschlagbar)
- Papiernockpunkt
Stabil, schnell gemacht und hält solange wie die Sehne (und kann farblich auf die Sehne abgestimmt werden ©)
- Beiter
Müssen mit der Mittelwicklung zusammen aufgebracht werden, schwierige Montage, nicht mehr veränderbar.
Mit den bisher gemachten Einstellungen (alle Werte wie Standhöhe, Tiller, Nockpunktüberhöhung...) sollte man sich notieren) kann man anfangen, mit dem Bogen zu schießen.
Auswahl und Grobabstimmung des Pfeils
Quelle: Trainertipps Juni 2025
Pfeilauswahl
Wie schon gesagt, mit den bisherigen Grundeinstellungen (Trainertipps vom Mai 2025) kann man schon vernünftige Ergebnisse schießen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Pfeil auf den Bogen (und in gewisser Weise auch auf den Schützen) abgestimmt ist. Mit Abstimmung ist dabei gemeint, dass der sog. Spinewert des Pfeils zum Zuggewicht des Bogens passt.
Der Spinewert des Pfeils ist ein Maß für die Biegsamkeit eines Pfeils. Gemessen wird dieser Wert, in dem ein Pfeil auf zwei Auflagen im Abstand von 28“ (71,1cm) gelegt wird und genau in der Mitte zwischen diesen Auflagepunkten mit einem Gewicht von 2lbs (0,906kg) belastet wird. Die dadurch entstehende Durchbiegung wird in Tausendstel Zoll gemessen und angegeben. Ein Pfeil, der sich bei der gegebenen Belastung um 0,5“ durchbiegt hat einen Spinewert von 500. Man bezeichnet einen Pfeil mit geringer Durchbiegung (also niedrigem Spine) als hart, einen Pfeil mit starker Biegung (also hohem Spine) als weich. Je höher nun das Zuggewicht eines Bogens, umso härter muss der entsprechende Pfeil sein.
Bei der ersten Auswahl des Spinewerts helfen Tabellen der verschiedenen Pfeilhersteller (z.B. Easton). Solche Tabelle findet Ihr beispielsweise in den Katalogen der Hersteller (eventuell auch auf deren Web-Sites). Man findet im Internet mit den Suchbegriffen „arrow selection chart“ aber auch online-tools, mit denen man den Spinewert seiner Pfeile bestimmen kann (z.B. https://eastonarchery.com/archery/). Abhängig von Bogenart und Pfeillänge bekommt man einen Wert für den Spine, auf den Herstellerseiten meist auch einen Vorschlag des Pfeiltyps.
Eine Beispieltabelle findet Ihr in der folgenden Abbildung (Fa. VICTORY):

Man muss dabei aber beachten, dass die Angaben der Hersteller max. für eine Vorauswahl gut sind, da meist von einem Standardgewicht der Pfeilspitze (üblicherweise 100 grain) ausgegangen wird.
Außerdem wird in den verschiedenen Tabellen die Pfeillänge immer in ganzen Zoll angegeben und passt somit nur in etwa zu den Pfeilen, die Ihr später schießen wollt.
1 Was für Pfeile soll man kaufen?
1.1 Fertigpfeile
Für einen Anfänger, der seine ersten Schritte im Bogensport unternimmt und sich noch nicht sicher ist, ob das sein zukünftiger Sport sein wird, genügt es vollkommen, beim Händler Fertigpfeile zu kaufen, die nach einer solchen Tabelle ausgesucht werden. Dabei ist auch die genaue Länge noch nicht so wichtig, der Sportler sollte die Pfeile lieber etwas zu lang auswählen, da sich im Laufe des Trainings der Auszug üblicherweise verlängert und die Pfeile dafür lang genug sein sollen, um zu vermeiden, dass man relativ bald wieder neue Pfeile braucht.
Diese Fertigpfeile, die man für wenig Geld kaufen kann (ca.5...8€/Pfeil) reichen vollkommen aus, um damit das Schießen zu erlernen. Als Anfänger macht es keinen Sinn teure Pfeile zu kaufen, da davon auszugehen ist, dass der eine oder andere Pfeil im Laufe der Saison verlorengeht und das sich das Zuggewicht des Schützen erhöht und damit der Spinewert der Pfeile falsch ist, sodass neue Pfeile mit dem richtigen Spinewert notwendig werden.
Diese Fertigpfeile sind meist Voll-Karbon-Pfeile, die mit Befiederung und Spitzen versehen sind. Fragt beim Kauf der Pfeile am besten gleich nach Ersatzfedern und –Spitzen, da die Ersatzteilversorgung nicht immer gewährleistet ist. Denkt daran, auch gleich genügend Pfeile zu kaufen. Ihr braucht im Freien sechs Pfeile pro Passe und ich empfehle Euch, mindestens 8 Stück zu kaufen. Von Aluminiumpfeilen rate ich (bei Anfängern) ab, da diese Pfeile unbemerkt krumm werden können.
1.2. Höherwertige Pfeile
Wenn man als Sportler schon etwas weiter ist, die Schießtechnik schon gefestigt ist und die Ergebnisse langsam besser werden, dann kann man beginnen, mehr Geld für die Pfeile auszugeben. Ich persönlich würde eher teure Pfeile kaufen als ein teures Mittelteil, weil üblicherweise teure Pfeile auch genauer gefertigt und damit gleichmäßiger sind als günstige. Das Mittelteil hat auf die geschossenen Ringzahlen den geringsten Einfluss, während die Gleichmäßigkeit der Pfeile viel wichtiger ist.
Diese Aussage wird wahrscheinlich für Widerspruch sorgen, aber man sollte dabei beachten, dass ein Recurvebogen ein relativ einfaches Teil ist und sich nicht so weiterentwickelt hat wie die Compoundbögen. In den späten 80er-Jahren wurden von Topschützen wie Darrel Pace in großen Fitas Ringzahlen oberhalb von 1350 Ringen geschossen mit Bögen, die nach heutigen Standards als primitiv betrachtet würden. Der aktuelle Weltrekord bei den Frauen (1405 Ringe, Park Sung Hyun) datiert aus dem Jahr 2005. Solange die Ergebnisse eines Schützen nicht in diese Gegend kommen, ist anzunehmen, dass auch ein einfacher Bogen ausreichend ist und man lieber mehr Aufwand in das Training stecken sollte.
Ich gehe davon aus, dass ein fortgeschrittener Schütze seine Pfeile selbst baut und daher nur die Komponenten (Schäfte, Spitzen, Nocken) kauft. Außer für Hallenpfeile (die man nicht wirklich braucht, siehe Abschnitt 1.3) würde ich keine Aluminium-Pfeile nehmen und daher bleiben nur noch die reinen Carbon-Pfeile, oder Alu-Carbon Pfeile (z.B. Easton A/C/G, Easton A/C/E, oder die entsprechenden Schäfte von anderen Firmen wie z.B. Victory). Persönlich würde ich mir die Pfeile kaufen, die ich mir leisten kann, damit ich mir sicher sein kann, dass es nicht am Material liegt, wenn ich danebenschieße. Bei den Pfeilen für fortgeschrittene Schützen würde ich immer darauf achten, dass ich dafür Spitzen mit unterschiedlichen Gewichten (z.B. Schraubspitzen oder breakoff Spitzen) bekomme, damit man die Möglichkeit hat, den Pfeil über die Änderung des Spitzengewichts anzupassen (dazu später mehr).
1.3. Braucht man Hallenpfeile?
Nein, braucht man nicht, kann man aber schießen, wenn man will. Viele Schützen wechseln für die Halle auf dickere Alu-Pfeile. Das Gerücht, dass man damit mehr Ringe ankratzt ist falsch, zumindest in den Ringzahlbereichen, in denen sich die meisten von uns bewegen. Es gibt statistische Untersuchungen, die belegen, dass sich ein positiver Effekt bei Ringzahlen oberhalb von 580 Ringen einstellt.
Michelle Frangilli schießt z.B. in der Halle bewußt A/C/E, weil in Italien in der Halle nicht auf Ampelauflagen geschossen wird und so drei dünne Pfeile leichter in die 10 passen. Andere Weltklasseschützen wechseln ihre Pfeile (und schießen aber auch deutlich oberhalb von 570 Ringen).
Wenn man auf Hallenpfeile wechselt, braucht man entweder ein zweites Mittelteil mit Pfeilauflage und Button (eingestellt auf die Pfeile) oder aber man muss seinen Bogen jede Saison zweimal umstellen.
Für draußen gibt es keine Frage, da werden möglichst dünne/leichte Pfeile geschossen, weil sie schneller sind und vom Wind weniger abgelenkt werden. Es ist richtig, dass schwerere Pfeile vom Wind weniger abgelenkt werden aber dafür sind sie länger unterwegs, was die Aussage wieder relativiert.
2 Vorauswahl der Pfeile
Gehen wir davon aus, dass man sich entschieden hat, welche Pfeilsorte es werden soll. Wir brauchen nun verschiedene Werte, mit denen man den Pfeilschaft aus einer der angesprochenen Tabellen auswählt.
Der erste Wert ist der Auszug des Schützen. Zur Bestimmung dieses Werts nehmen wir einen Messpfeil der mit Markierungen versehen ist (ein solcher ist in der Bogenhalle). Mit diesem Pfeil ziehen wir mehrmals den Bogen aus und ermitteln so die Länge des Pfeils bis zum Button. Zu diesem Wert addieren wir noch ca. 1,5“...2“. Allein ist das schwierig, lasst Euch dabei von einem Kameraden helfen.
Der zweite Wert ist die Zugkraft des Bogens. Dabei verwenden wir aber nicht den Wert, der auf den Wurfarmen angegeben ist, sondern wir verwenden eine Bogenwaage (Mitschützen fragen, viele haben eine entsprechene Bogenwaage) und ermitteln die Kraft „auf den Fingern“, die der Schütze wirklich beim eben ermittelten Auszug zieht.
Mit diesen beiden Werten gehen wir nun in die entsprechende Tabelle und ermitteln den notwendigen Spinewert. Als Beispiel soll der Auszug 29“ betragen und die Zugkraft 35 lbs (an den Gebrauch der engl. Maßeinheiten müsst Ihr Euch gewöhnen, Angaben in cm und N findet Ihr selten). Mit diesen beiden Werten gehen wir nun für das Beispiel in die Tabelle (s. oben, Fa. VICTORY) und bekommen einen Spinewert von 600.
Wir suchen uns nun einen Pfeilschaft aus, dessen Spinewert 600 beträgt. Da in der Tabelle das getroffene Feld im oberen Bereich des 600er-Felds liegt, würde ich zu einem Schaft tendieren, der zwischen 600 und 700 liegt.
Nun machen wir uns die Pfeile (bzw. lassen sie machen). Die Schaftlänge wird 29“ (73,7 cm) bis zum Nockboden und als Spitzengewicht würde ich mit 100 grain anfangen. Ihr könnt die Schaftlänge auch ein wenig länger lassen, lieber ist der Pfeil zu weich, dann kann ich den Schaft noch etwas kürzen. Drei Pfeile werden befiedert, ein Pfeil bekommt keine Befiederung. Damit die Pfeile sich gleich verhalten, würde ich das Gewicht der Befiederung in Form von Klebeband dort anbringen, wo die Federn sitzen würden. Dieser Gewichtsausgleich ist nicht unbedingt nötig, sorgt aber für ein gutes Gewissen, da man an alles gedacht hat.
2.1. Befiederung
Für Hallenpfeile werden oft große (4“...5“) Naturfedern verwendet. Diese sorgen für eine schnelle Stabilisierung des Pfeils, was bei den kurzen Hallendistanzen gewünscht wird. Den gleichen Effekt erreicht man aber auch mit großen Kunststoff-Fletches (4“), die etwas stabiler und beständiger sind.
Für die dünnen Pfeile im Freien wird eine Befiederung gewählt, die möglichst geringen Luftwiderstand erzeugt. Kurze FFP (1,5“) sind üblich, in letzter Zeit werden immer häufiger „Spin-wings®“ oder ähnliche Typen („GasPro®“, „Kurly wings®“, „EliVanes®“...) verwendet. Die FFP lassen sich leicht verarbeiten und sind relativ widerstandsfähig, die anderen sehen „cool“ aus (besonders auf entsprechenden Wraps) und werden von vielen Weltklasse-Schützen verwendet.
Prinzipiell ist es egal, welche Art von Befiederung Ihr wählt. Lasst Euch von der Werbung der Hersteller nicht blenden, die Art der Befiederung hat nur einen verschwindend geringen Anteil auf das Trefferbild. Wenn ein Top-Schütze mit bestimmten Vanes gute Ergebnisse schießt, liegt das daran, dass er gut schießen kann und nicht an den Vanes.
2.2. Nocken
Nocken müssen zum Pfeil und zur Sehne (Dicke der Mittelwicklung) passen. Es gibt sehr viele verschiedene Typen und jeder Schütze hat wohl seine Vorlieben. Ich verwende nur Nocken von Beiter (http://www.wernerbeiter.com/de/produkte/nocken/index.php ), die ich diese persönlich für die besten halte, andere schwören auf die Nocken von Easton.
Ich verwende auch sogenannte Pin-Nocken (bei denen steckt im Pfeilschaft ein Aluminium-Pin, auf dem wiederum die Nocke sitzt), damit die Beschädigung des Schafts bei einem „Robin-Hood-Schuss“ verhindert wird. Lohnt sich wahrscheinlich auch nur bei sehr teuren Pfeilen, oder bei Pfeilen, die nur als Paket zu kaufen sind.
Kontrolliert Eure Nocken regelmäßig und tauscht sie beim geringsten Zweifel aus. Mir wurde von einem Händler empfohlen, die Nocken regelmäßig (alle Jahre) zu tauschen. Klar, der will natürlich verkaufen, aber Kunststoff kann mit der Zeit verspröden und so ganz falsch ist der Rat dann nicht.
Bogentuning (Feinabstimmung des Systems Bogen-Pfeil-Schütze)
Quelle: Trainertipps Juli 2025
Gehen wir jetzt davon aus, dass die Wurfarme richtig montiert und ausgerichtet sind, Standhöhe, Tiller und Nockpunktüberhöhung auf einen sinnvollen Wert voreingestellt sind, die Pfeilausrichtung stimmt und dass die Pfeile für die nächsten Tests vorbereitet sind. Dann können wir uns der Feinabstimmung des Systems Bogen-Pfeil-Schütze zuwenden.
Bei ein paar Händlern ist es auch möglich, dieses Ausschießen und anpassen des Pfeils (Blankschafttest) direkt vor Ort zu machen, was den Vorteil hat, dass im Falle des falschen Spinewert gleich andere Pfeile gewählt werden können und falls der Pfeil gekürzt werden muss, auch das beim Händler schnell erledigt werden kann. Der Händler hat dafür in der Regel eine Schießbahn mit mindestens 18 Metern und oft auch vorbereitete Pfeile zum Testen des korrekten Spinewertes. Der Händler hilft euch auch sicher gerne beim Anpassen. Hierfür solltet Ihr aber immer einen Termin vereinbaren. Damit Ihr versteht, was beim Händler passiert und durchgeführt wird erkläre ich untenstehend den Blankschafttest. Wenn Ihr Euch einigermaßen sicher seid und auch keine Berührungsängste mit Änderung der Pfeillänge, des Spitzengewichts und des Tillern habt, könnt Ihr das natürlich auch auf dem Bogenplatz, oder in der Halle durchführen. Hilfe bekommt Ihr bestimmt auch von einigen Mitschützen, die das selbst schon gemacht haben.
Blankschaft-Test
Beim sogenannten Blankschaft-Test werden nun die drei befiederten Pfeile und der unbefiederte Pfeil auf einen Zielpunkt geschossen, die Entfernung dabei liegt bei 15...20 m. Entgegen der Aussage mancher Schützen ist ein Blankschaft-Test auf größere Entfernungen nicht besonders sinnvoll, da man ja nur die sog. „Innenballistik“ des Systems abstimmen will. Kann man machen, bringt nur keine tieferen Erkenntnisse.
Das Trefferbild des Blankschaftes auf der Scheibe kann nun folgendermaßen aussehen:

Achtung: Das Trefferbild gilt für Rechtshand-Schützen, bei Linkshandschützen gilt es seitenverkehrt!
Wenn nun der unbefiederte Pfeil (der Blankschaft) mehr oder weniger bei der Gruppe ist, kann man durch verschiedene Änderungen den Pfeil abstimmen.
- Pfeil zu steif:
- schwerere Spitzen verwenden
- Federn größer
- Zuggewicht vergrößern
- längeren Schaft wählen (deswegen haben wir erst nur vier Pfeile gemacht)
- Pfeil zu weich
- leichtere Spitzen einbauen
- Pfeilschaft kürzen (wenig! nur mm-weise)
- Zuggewicht verringern
Durch diese Maßnahmen bekommt man den Rohschaft in die Gruppe der befiederten Pfeile, wenn der Spine einigermaßen passt. Wie groß man seinen persönlichen Toleranzbereich macht (wann ist „in“ der Gruppe) hängt vom eigenen Perfektionsanspruch ab. Meine befiederte Gruppe passt normalerweise in den 8er-Ring (40er Auflage), und für mich ist es OK, wenn der Rohschaft dann irgendwo in diesem Bereich ist.
Macht diese Art von Test nicht, wenn Ihr nicht fit oder wenn Ihr müde seid. Damit der Test vernünftige Aussagen zulässt, müsst Ihr gut und gleichmäßig schießen. Und Ihr müsst den Test mehrmals machen. Nehmt Euch einen Schießzettel mit Trefferbildauswertung und markiert die Trefferlagen der Pfeile. Nehmt dann den „Durchschnitt“ der befiederten und unbefiederten Pfeile und leitet daraus das Testergebnis ab.
Wenn Ihr es geschafft habt, dass der Rohschaft in der Gruppe ist, könnt Ihr die restlichen Pfeile des Satzes bauen (lassen). In der Halle genügen sechs Pfeile, für die Außensaison solltet Ihr schon 12 Pfeile haben, damit Ihr auch einmal einen Verlust verschmerzen könnt.
Berger-Test
Nachdem Ihr nun Euren Pfeilsatz zusammen habt, muss jetzt noch der Bogen so eingestellt werden, dass Ihr auf verschieden langen Entfernungen möglichst keine unterschiedliche Seiteneinstellung benötigt. Das machen wir mit dem Bergertest, der dazu dient, die Härte der Buttonfeder und die Position des Buttons festzulegen. Auch hier gilt der Hinweis: Vernünftige Ergebnisse bekommt man erst, wenn man einen gefestigten Schießstil hat. Auch dann sollte man den Test mehrmals machen.
1 Wie läuft der Bergertest ab?
Auf einer Scheibe setzt Ihr Euch einen Zielpunkt weit im oberen Bereich (ca. 25 cm vom oberen Rand). Idealerweise ein senkrechtes Klebeband über die ganze Scheibe und einen kurzen Querstreifen als Kreuzungs- und Zielpunkt.
Aus einer Entfernung von ca. 15 m schießt Ihr das Visier ein bis der Zielpunkt getroffen wird.
Von jetzt an wird am Visier nichts mehr verstellt. Holt Euch die Pfeile und schießt jetzt von 5 Meter den ersten Pfeil auf den Zielpunkt. Macht dann den Abstand immer ca. 5 Meter weiter und schießt je Entfernung einen weiteren Pfeil auf den Zielpunkt, bis Ihr das untere Ende der Scheibe erreicht habt. Sinnvoll sind Entfernungen von 5 bis max. 40 Meter. Die Pfeile werden ab der Entfernung von 15 Metern immer weiter unten die Scheibe treffen.
Denkt daran: das Visier wird nicht verstellt. Wiederholt diese Prozedur so lange wie Ihr Pfeile habt, oder das untere Ende der Scheibe erreicht ist.
2 Auswertungen
Idealerweise (sofern Eure Pfeile passen und alle Einstellungen korrekt wären) sollten die Pfeile eine gerade Linie vom Zielpunkt nach unten bilden. Aus verschiedenen Gründen wird das nicht so sein.
Ein Grund seid Ihr selbst, weil Ihr nicht wie eine Maschine schießen könnt und somit Eure Pfeile etwas streuen werden (Ihr denkt noch an den Hinweis oben?). Selbst ein Bundesligaschütze wird keine perfekte Linie schießen können, daher geben wir uns eine gewisse Toleranzbreite.
Wie groß man seine persönliche Toleranzbreite macht, hängt vom eigenen Können und seinem eigenen Perfektionsanspruch ab. Meine übliche Gruppe auf 30 m passt normalerweise in den 9er-Ring, und daher ist meine Toleranzbreite am unteren Rand der Scheibe ca. 25 cm. Die folgenden Aussagen gelten nur für Rechtshandschützen, für Linkshandschützen gelten die jeweils entgegengesetzten Aussagen.
Bevor Ihr den Test beginnt, prüft bitte nochmals nach, ob die senkrechte Visierschiene wirklich parallel zu Eurem Mittelteil steht. Wenn diese Parallelität nicht gegeben ist, würde der folgende Test keine sinnvollen Ergebnisse liefern.
Auch die folgenden Trefferbilder gelten für Rechtshandschützen, für Linkshandschützen gelten sie entsprechend seitenverkehrt.
Erste Möglichkeit: Die Pfeile folgen einer gekurvten Linie nach links (bzw rechts)

Abweichung (bei Rchtshandschützen) nach rechts: In diesem Fall muss die Federkraft des Buttons erhöht (härter) werden
Abweichung nach links: In diesem Fall muss die Federkraft des Buttons verringert (weicher) werden.
Stellt Euren Button entsprechend dem Ergebnis ein und wiederholt den Test, um zu überprüfen, ob die Umstellung den gewünschten Effekt hatte. Wenn nicht, dann ändert die Einstellung erneut und wiederholt den Test. Das macht Ihr so lange, bis Eure Pfeile innerhalb Eurer Toleranzzone landen.
Zweite Möglichkeit: Die Pfeile folgen einer deutlichen Kurve nach links (bzw rechts)

Abweichung (bei Rchtshandschützen) nach rechts: In diesem Fall muss der Button weiter in Richtung Pfeil gedreht werden.
Abweichung nach links: In diesem Fall muss der Button weiter in Richtung Mittelteil gedreht werden
Stellt Euren Button entsprechend dem Ergebnis ein und wiederholt den Test, um zu überprüfen, ob die Umstellung den gewünschten Effekt hatte. Wenn nicht, dann ändert die Einstellung erneut und wiederholt den Test. Das macht Ihr so lange, bis Eure Pfeile innerhalb der Eurer Toleranzzone landen.
Dritte Möglichkeit: Das Trefferbild ist eine Mischung aus den beiden bisherigen Bildern.
In diesem Fall beginne ich mit der Federhärte des Buttons (das lässt sich an meinem Button leichter verändern), bis ich ein Bild ähnlich dem zweiten Bild erreicht habe und passe dann die Position des Buttons an.
Gewünschtes Trefferbild (nach Abschluss der Einstellungen):

Die Pfeile landen alle in der definierten Toleranzzone und zeigen keine erkennbare Tendenz in eine bestimmte Richtung. Damit sind die Hauptarbeiten abgeschlossen und es liegt nun an Euch, gute Ergebnisse zu schießen.
Gruppierungen
Trotz der erfolgreichen Tests kann es vorkommen, dass Eure Pfeile nicht alle in einer Gruppe landen. Das kann einerseits an Euch liegen, es ist aber auch möglich, dass es an den Pfeilen liegt. Nummeriert daher Eure Pfeile, damit Ihr herausfinden könnt, ob es immer der gleiche Pfeil ist, der aus der Gruppe fliegt.
- Prüft, ob alle Pfeile wirklich das gleiche Gewicht haben. Sorgfältig gebaute Pfeile haben einen max. Gewichtsunterschied von 1...2 grain.
- Prüft, ob der betroffene Pfeil einen Schaden am Schaft hat und entsorgt ihn in diesem Fall.
- Prüft, ob der betreffende Pfeil krumm ist (Alu) und tauscht ihn ggf. aus.
Bemerkungen zum Pfeilbau
Quelle: Trainertipps August 2025
Ich möchte im Folgenden ein paar Bemerkungen zum Bau von Pfeilen loswerden. Ich habe an anderer Stelle schon erwähnt, dass man genügend Pfeile kaufen sollte. Ihr braucht im Freien sechs Pfeile pro Passe und ich empfehle Euch, mindestens 12 Stück zu kaufen. Damit die einzelnen Pfeile identifizierbar sind, solltet Ihr jedem Pfeil eine eigene Nummer geben (Ihr müsst Eure Pfeile nach der Sportordnung sowieso mit Euren Initialen versehen, da kann dann auch eine Nummer dazu).
Ich gehe davon aus, dass ein fortgeschrittener Schütze seine Pfeile nicht fertig kauft, sondern aus gekauften Komponenten selbst baut. Dabei ist gewährleistet, dass für die Pfeile auch Ersatzmaterial (Spitzen, Nocken, Befiederung) erhältlich ist und von diesem Ersatzmaterial sollte man sich auch gleich genügend mitbestellen.
1 Werkzeug
Ihr braucht zum Bau von Pfeilen nur wenig Spezialwerkzeug. Zum Ablängen der Schäfte ist ein Schneidgerät erforderlich, da man die dünnwandigen Schäfte nicht sicher mit einer Säge schneiden kann. Wird aber auch vom Bogenhändler eures Vertrauens durchgeführt.
Wenn Ihr Carbon- bzw. Carbon/Aluminium-Pfeile schneidet, solltet Ihr entweder mit einer Absaugung arbeiten oder eine Atemschutzmaske tragen. Feiner Carbonstaub ist lungengängig und nicht besonders gesundheitsfördernd.
Zum Aufkleben der Befiederung macht man sich die Arbeit einfacher, wenn man ein Befiederungs-Gerät verwendet, sofern man die typischen FFP-Fletches oder Naturfedern verarbeiten will. Alle Spin-Wings und deren Varianten („Gas-Pro“, „XS-Wings“, uä.) werden üblicherweise ohne ein solches Gerät aufgebracht. Ein Befiederungsgerät kann für kleines Geld beschafft werden.
Ansonsten benötigt Ihr ein scharfes Messer und einen guten Kleber für Spitzen (Kunststoffheißkleber oder Easton Heißkleber) und ein Befiederungsgerät (z.B. Cartel oder Saunders NPV).
2 Pfeilgewicht
Wenn man einigermaßen sorgfältig arbeitet, ist es kein Problem, seine Pfeile auf ein annähernd gleiches Gewicht zu bekommen und eine Streuung von deutlich weniger als 2 grain zu erreichen. Kontrolliert dabei, dass Ihr vom Händler auch die richtigen Komponenten bekommen habt und lasst Euch beim Zusammenbau Zeit.
Allerdings ist ein Pfeilsatz, bei dem die Pfeile genau das gleiche Gewicht haben, noch lange keine Garantie dafür, dass diese Pfeile auch sauber gruppieren, da das Gruppierungsverhalten auch von weiteren Toleranzen (hauptsächlich der des Spinewerts) abhängen. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass man als fortgeschrittener Schütze die am besten gruppierende Pfeile ausschießt. Ich prüfe meine Pfeile über einen Spinewerttester nach der harten und weichen Seite und kennzeichne die weiche Seite entsprechend. Dadurch ist die Gruppierung schon einmal voreingestellt.
3 Spitzen
Beim Einkleben der Spitzen müsst Ihr etwas vorsichtig sein, damit die Carbonschäfte, die Ihr eventuell verwendet, nicht überhitzt werden. Hierfür reicht ein Wasserkocher, um die Spitzen zu erwärmen und den Kunststoff aufzubringen. Verwendet einen guten Kleber (z.B. den Heißkleber von Easton) und vermeidet den Gebrauch von 2K-Kleber, da es damit schwierig (wenn nicht unmöglich) wird, beschädigte Spitzen zu tauschen.
Zum Abstimmen der Pfeile ist es meiner Meinung nach hilfreich, Inserts und Schraubspitzen zu verwenden, da man damit sehr leicht das Spitzengewicht der Pfeile ändern kann.
Ich verwende im Freien Easton ACE-Pfeile und bin Fan von den langen Inserts, die für diese Pfeile angeboten werden, da sie die Vorderteile der Pfeile sehr stabil machen und ziemlich sicher verhindern, dass die Pfeile in härterem Scheibenmaterial (Stramit) abbrechen. Je kürzer die eingeklebten Spitzen sind, um so größer ist das Risiko des Brechens, besonders wenn die Pfeile auf kurze Entfernung in harte Scheiben geschossen werden. Lange Spitzen machen die Pfeile übrigens nicht nennenswert steifer, da die Biegung der Pfeile beim Abschuss hauptsächlich in der Mitte stattfindet und die Enden quasi nicht gebogen werden.
Braucht man Wolfram-Spitzen? Nein. Diese Dinger sind sündhaft teuer und Ihr schießt damit um keinen Ring besser, auch wenn die Werbung Euch etwas anderes erzählen will.
4 Nocken
Nocken werden nicht eingeklebt, sie müssen ohne Kleber im Schaft halten. Falls es Euch passiert, dass die eine oder andere Nocke etwas locker sitzt, dann nehmt ein kleines Stück Teflon-Band (wird zum Abdichten bei Wasserhähnen verwendet) und drückt die Nocke durch dieses Band in den Schaft (Abbildung 1). Den Überstand entfernt Ihr mit einem scharfen Messer.
Abbildung 1: 
Falls sich Nocken nicht ganz einschieben lassen sollten, könnt Ihr versuchen sie in den Kühl- bzw. Gefrierschrank zu legen und abzukühlen. Dabei werden sie etwas kleiner und passen dann eventuell besser in den Schaft.
Welche Nocken (Beiter, Easton...) Ihr verwendet ist egal, beide großen Hersteller liefern gute Qualität, wenngleich bei Beiter die Anzahl von Varianten größer ist. Ich verwende in meinen ACE die sog. Pin-Nocken von Beiter, um Beschädigungen des Schafts vermeiden, wenn ein Pfeil von hinten auf die Nocke trifft.
Zum Entfernen bzw. Einsetzen der Nocken sollte man besser keine Zange verwenden, sondern ein Werkzeug (z.B. Beiter „Push’n’pull“, siehe Abbildung 2), das die Nocke ganz umfasst und verhindert, dass die empfindlichen Teile beschädigt werden. Dieses Werkzeug gibt es für jede Nockgröße.
Abbildung 2: 
Beschädigte Nocken werden grundsätzlich ausgetauscht. Spart hier nicht am falschen Ende: Wenn Ihr den geringsten Zweifel habt, tauscht die Nocke aus, bevor sie Euch im Schuss bricht. Manche Händler raten wegen eventueller Versprödung des Kunststoffs auch zu einem regelmäßigen (z.B. jährlichen) Tausch der Nocken, besonders bei den Freiluftpfeilen, da diese Nocken durch das UV-Licht besonders belastet sind.
Die Größe der Nocken muss zum Durchmesser der Mittelwicklung auf der Sehne passen. Es gibt von jedem Hersteller Nocken in verschiedener Größe, allerdings sind diese Größen nicht direkt vergleichbar. Die Anpassung zwischen Sehne und Nocken erfolgt über die Auswahl des Mittelwicklungsgarns bei der Sehnen-Herstellung.
Nockgröße und Mittelwicklungsdurchmesser sollen so gewählt werden, dass der Pfeil einerseits sicher auf der Sehne gehalten wird, aber beim Schuss auch kein zu großer Widerstand beim Ausnocken entsteht. Als Anhaltspunkt kann folgendes gelten: wenn man am eingenockten Pfeil zieht, sollte es nach spätestens ca. 10-15 mm Weg zum Ausnocken kommen.
Einige Schützen (auch ich) haben mehrere Sätze Nocken für ihre Pfeile und wechseln diese im Wettbewerb abhängig davon, welche Nockenfarbe die Konkurrenten auf der Scheibe haben, damit sie Ihre Pfeile von der Schießlinie, oder bei der Auswertung besser erkennen können. Das wird mit zunehmendem Alter schwieriger, da meine Augen schlechter werden, um die Pfeile sehen zu können (mit Spektiv schieße ich nicht mehr, da mich das Teil beim Schießen stört und auch das Fernglas ist für mich eher eine Beruhigung als eine Hilfe). Wenn es Euch hilft, solltet Ihr diese Möglichkeit in Betracht ziehen.
5 Befiederung
Zum Aufkleben der Befiederung liest man immer wieder, dass die Federn in einem Winkel aufgebracht werden sollten, damit sie die Pfeile beim Flug in Rotation versetzen und dadurch zusätzlich stabilisieren. Diesem Rat liegt allerdings ein Trugschluss zugrunde: Im Gegensatz zu Projektilen aus einer Laufwaffe (Gewehr, Pistole) handelt es sich bei Pfeilen um Geschosse, deren Verhältnis von Länge zu Durchmesser sehr groß ist und solche Geschosse werden nicht drallstablisiert.
Pfeile werden im Flug dadurch stabilisiert, dass der Luftangriffspunkt hinter dem Schwerpunkt liegt. Die Befiederung legt den Luftangriffspunkt noch weiter nach hinten und sorgt dadurch für eine schnellere Stabilisierung. Eine sehr schnelle Rotation wäre bei Pfeilen eher kontraproduktiv, da sie dabei durch die unvermeidlichen Fertigungstoleranzen und die dadurch entstehenden Unwucht erst recht ins Taumeln kommen könnten. Ausserdem ist die Befiederung zu weich, sodass sie aufgrund des Winddrucks eher nachgibt, als eine Rotation zu verursachen.
Aus diesem Grund sehe ich auch die immer wieder neu erfundenen Befiederungen (z. B. die „KSL Jet vanes“), die durch ihre Formgebung die Pfeile schneller rotieren lassen sollen, kritisch. Wenn man die Befiederung ohne einen definierten Winkel aufbringt, wird durch die kleinen Ungenauigkeiten der Pfeil dennoch leicht rotieren und das genügt vollkommen, die leichten Unterschiede (Gewicht, Spine, Luftwiderstand...) zwischen den Pfeilen statistisch auszugleichen.
Der Einfluss der Befiederung auf den Luftwiderstand (von großen Naturfedern abgesehen) ist vernachlässigbar gering und von daher ist es fast egal, welche Befiederung man verwendet. Ein Weltcup-Schütze, der in der Werbung für einen bestimmten Typ Befiederung genannt wird, schießt diesen Typ, weil er dafür bezahlt wird und nicht, weil diese Befiederung mehr Ringe erzielt. Wenn dieser Top-Schütze mit bestimmten Vanes gute Ergebnisse schießt, liegt das daran, dass er gut schießen kann und nicht an den Vanes.
Was einen Unterschied bei leichten Pfeilen macht, ist das etwas höhere Gewicht der FFP-Fletches, was zu Folge hat, dass beim Umstieg von FFP auf z.B. Spin-Wings die Pfeile etwas höher liegen werden.
Alle Schützen, die ich kenne, schießen mit drei Federn/Fletches pro Pfeil, die um jeweils 120° versetzt sind. Ich habe von traditionellen Schützen gehört, die mit zwei Federn schießen, aber auch von Schützen, die vier Federn verwenden, denke aber, dass dies für die meisten Schützen keine Rolle spielt.
Üblicherweise werden die Federn/Fletches so angeordnet, dass die sogenannte Leitfeder (das ist die, die bei den meisten Schützen eine andere Farbe hat) vom Bogen weg zeigt (siehe Abbildung 3, für Rechtshandschützen).
Abbildung 3: 
Schützen, die die Pfeilauflage der Fa. Beiter („Beiter Rest“) verwenden, sollen gemäß der Bedienungsanleitung dazu ihre Befiederung so orientieren, dass eine Feder direkt nach unten zeigt (siehe Abbildung 4, für Rechtshandschützen). Dies ist nötig, da diese Art von Pfeilauflage unbeweglich ist und bei der üblichen Orientierung zu Schäden an der Befiederung führen kann.
Abbildung 4: 
6 Wraps
Damit werden dünne Folien bezeichnet, die man am Nockende um den Pfeilschaft kleben kann. Es gibt diese Wraps in allen möglichen Farben und Designs, meist sind auch Linien aufgedruckt, an denen man die aufzuklebenden Fletches ausrichten kann. Die Länge der Wraps ist auf 22cm gemessen vom Nockboden begrenzt (SpO 6.2.3)
Man bekommt diese Wraps auch kundenspezifisch mit Namen und Pfeilnummern hergestellt (z.B. https://www.custommadewraps.com), kann sie aber aus geeigneter Folie auch gut selberherstellen. Wraps haben keine Funktion, außer dass man mit ihnen seine Pfeile verschönern und individualisieren kann. Da nach der Sportordnung jeder Pfeil auf dem Schaft den Namen bzw. die Initialen des Schützen tragen muss, bieten sich Wraps zur Kennzeichnung an.
7 FOC
Muss man beim Bau seiner Pfeile auf den FoC (front of center, gemeint ist dabei die Lage des Schwerpunkts) achten? Nein, muss man nicht und die Begründung dazu habe ich in den Trainer-Tipps vom November 2024 geschrieben.
Aussagen wie: „Ist der FOC zu groß, geht die Spitze nach unten, ist er zu klein, geht die Spitze nach oben bzw. der Pfeil fängt an zu trudeln, weil das Heck nach vorne kommen will“ sind physikalisch vollkommen falsch. Ein Pfeil wird sich immer entlang seiner Wurfparabel bewegen und dabei immer an der Tangente zu dieser Parabel ausgerichtet sein. Das macht er auch ohne Befiederung, da der Punkt, an dem die Luftwiderstandskraft angreift immer hinter dem Schwerpunkt liegt. Die Befiederung sorgt nun dafür, dass sich der Pfeil bei Störungen (z.B. Turbulenzen in der Luft) schneller ausrichtet.
Wichtig ist im Zusammenhang mit dem FoC lediglich, dass alle Pfeile eines Satzes den gleichen Wert haben sollten, aber das ergibt sich von selbst, wenn man seine Pfeile sorgfältig baut. Wichtig ist, dass alle Pfeile eines Satzes genau gleich lang sind, die gleiche Spitze haben und mit den gleichen Federn bestückt sind. Dann werden das Gewicht und auch der FOC gleich sein. Wie der Wert des FOC ist, ergibt sich dann und es ist auf keinen Fall sinnvoll die Pfeile auf einen bestimmten Wert auszulegen.
Bemerkungen zum Klicker
Quelle: Trainertipps Dezember 2025
Für die meisten Schützen ist der Klicker das kleinste und billigste Anbauteil an ihrem Bogen, aber er kann für großen Ärger sorgen und es sind unzweifelhaft mehr unrichtige Informationen über den Gebrauch des Klickers im Umlauf als über andere Aspekte des Recurvebogenschießens.
Dieser Artikel ist nicht gedacht, den Anbau, die Einstellung und den Gebrauch des Klickers zu erläutern, er soll vielmehr die „Wissenschaft“ hinter dem was der Klicker macht zu betrachten und zu zeigen, warum der Gebrauch eines Klickers dem Schützen Vorteile bringen kann.
Ein Klicker ist zum Schießen mit einem Recurve-Bogen keine Notwendigkeit, er löst aber zwei der wichtigsten Probleme beim Schießen: wie löst der Schütze ohne die sogenannte Antizipation, also die Vorwegnahme einer Bewegung zum unerwünschten Zeitpunkt und wie erhält man den kompletten Schuss als eine zusammenhängende Aktion.
Um diese Probleme vollkommen zu verstehen, ist es notwendig zu betrachten, wie sich der Schussablauf entwickelt, wenn Anfänger zu Fortgeschrittenen werden und wie der Körper motorische Funktionen ausführt sowie auf seine Umgebung reagiert.
Der Schussablauf des Anfängers
Der Bewegungsablauf beim Schießen eines Bogens ist sehr komplex und erfordert eine Abfolge von vielen verschiedenen Bewegungen, oft verbunden mit dem Gebrauch von Muskelgruppen, die im täglichen Leben eher selten gebraucht werden. Um Anfängern zu helfen, beim Schießen Fortschritte zu machen, wird der Ablauf in eine Folge von Teilbewegungen zerlegt und es erfolgt beim Anfängertraining meist eine Fokussierung auf einen oder zwei dieser Teilbewegungen.
Dies ist analog dazu wie Menschen andere komplexe motorische Aufgaben wie Schreiben oder Autofahren erlernen. Das Ziel dabei ist im Verlauf der Trainings den Schussablauf mehr und mehr zu automatisieren, so dass die zuvor erlernten Einzelteile ineinander übergehen und eine flüssige Bewegung ergeben. Wenn man vergleicht, wie ein kleines Kind seinen Namen schreibt und wie ein Erwachsener ein Formular unterschreibt, bekommt man ein gutes Beispiel für diesen Vorgang.
Der Schuss als eine Gesamtbewegung
Das Ziel der Entwicklung ist, den Ablauf eines Schusses in eine Gesamtbewegung zu überführen. Idealerweise beginnt ein Schuss mit der Konzentration auf das Ziel und wird mit Fortschreiten des Ablaufs mehr und mehr automatisch.
Wenn der Schütze den Vollauszug erreicht, sollte das „Feedback“ des motorischen Teils des Nervensystems das Gefühl eines gut ausgeführten Schusses unterstützen und der Schütze sollte im Auszug mehr und mehr entspannt werden, während er eine Art internen Fokus erreicht, der üblicherweise um die Muskeln zwischen den Schulterblättern zentriert ist. Das Problem beim Recurvebogenschießen ist, dass es sehr schwer (wenn nicht gar unmöglich) ist, zu schießen, ohne diesen entspannten internen Fokus zu gefährden.
Für viele Schützen bedeutet das, dass sie den Schuss auf zwei Teile reduzieren, den Teil vor und den Teil nach dem Lösen. Der Übergang zwischen diesen beiden Teilen ist eine Trennstelle im wichtigsten Moment des Schusses und kann der Ausgangspunkt für eine Reihe von Problemen werden. Das Primarziel beim Einsatz des Klickers ist die Überbrückung dieser Trennstelle im Herzstück des Schusses umso den Schuss einfacher als eine Bewegung auszuführen. Das führt dann zu einem stabileren Schussablauf mit erhöhter Genauigkeit, der auch unter Wettkampfbedingungen korrekt ausgeführt werden kann.
Der Gebrauch des Klickers trainiert eine reflexartige Reaktion des Schützen, die einen Großteil der bewussten Informationsverarbeitung beim Lösen eliminiert.
Geplante Bewegungen und Reflexe
Eine Funktion des Klickers ist, die Lücke zwischen „vor dem Lösen“ und „nach dem Lösen“ zu überbrücken.
Wenn das Gehirn entscheidet, den Körper in einer bestimmten Art zu bewegen (z.B. um beispielsweise ein Objekt aufzuheben), lädt es zuvor einen Bewegungsplan in die richtigen Teile des Nervensystems. Je komplizierter die Bewegung und je erfahrener die ausführende Person ist, umso länger dauert dieser Ladevorgang. Dieser Vorgang kann unter bestimmten Umständen bis zu zwei Sekunden dauern.
Beim Bogenschießen sollte dieser “Ladevorgang” unmittelbar vor der Schussausführung ablaufen und diese Phase wird typischerweise als eine Ruhephase gesehen, in der sich der Schütze bewegungslos auf das Ziel konzentriert. Wenn Anfänger sich entwickeln, entwickeln sie auch diese Planungsphase vor dem Schuss, aber üblicherweise geht diese Planung nur bis zum Erreichen des Vollauszugs.
Das Lösen und das Nachhalten (die Amerikaner nennen diese Phase „follow-through“, was meiner Meinung nach der bessere Begriff ist) werden als eine zweite Aktivität betrachtet, was zur Folge hat, dass viele Schützen viel Zeit im Vollauszug verbringen (mit dem Laden des nächsten Bewegungsplans), bevor sie den Schuss beenden.
Dieses Verweilen ist für den Schuss aus mehreren Gründen schädlich. Zum einen ermüdet die Zeit im Vollauszug, während der man den Bogen unter Spannung hält, den Schützen und verringert die Anzahl der Schüsse, die man sauber schießen kann. Zum anderen findet die Planung der nächsten Bewegung genau zu dem Zeitpunkt statt, in dem der Schütze möglichst entspannt und fokussiert sein sollte. Der Planungsvorgang stört jedoch diese Fokussierung. Außerdem entstehen während des Vollauszugs unter Umständen unerwünschte Bewegungen, die den Schuss störend beeinflussen können.
Durchdachte Bewegungen sind oft nicht schnell genug im täglichen Leben, geschweige denn im Sport. Beim Aufschlag eines Tennisballs in Wimbledon benötigt dieser Ball typischerweise ca. 350ms für die Länge des Tennisfeldes. Es wäre vollkommen unmöglich für einen Tennisspieler, einen solchen Ball zu retournieren, wenn er sich auf durchdachte Bewegungen verlassen müsste. Es muss daher eine zweite Art von Bewegungen geben, um diesem Problem zu begegnen.
Diese zweite Art von Bewegungen sind die Reflexe. Dabei reagiert das motorische System auf externe Reize und das kann es sehr schnell. Reflexzeiten hängen von der Art des Reizes ab und Reaktionen auf Reize, die über das Gehör wahr genommen werden, gehören zu den schnellsten. Typische Reaktionszeiten auf Audio-Reize liegen bei 170ms und können bei trainierten Sportlern bis auf 100ms sinken.
Die Rolle des Klickers
Wenn er einen Klicker benutzt, baut der Schütze seinen Schuss auf mit dem Fokus auf den Vollauszug. Wenn der Schütze kurz vor dem Vollauszug ist und wenn der Schussaufbau zufriedenstellend ist (soll heißen, der Schuss fühlt sich bis dahin gut an), dann wird die Empfindsamkeit für das Klicker-Geräusch ein Teil des Fokus.
Das Lösen ist dann ein trainierter Reflex auf den Audio-Reiz „Klick“ und typischerweise nach 100 ms ist der Pfeil auf dem Weg. Das bedeutet, das Lösen ist ein unwillkürlicher Reflex auf das Geräusch des Klickers. Der Vorteil gegenüber dem Schießen ohne Klicker ist, dass der Schuss ausgeführt werden kann, während der Fokus des Schützen immer noch auf dem Halten der Rückenspannung liegt und dass zwischen dem Fallen des Klickers und dem Lösen nicht genügend Zeit bleibt, unerwünschte Bewegungen auftreten zu lassen.
Zusammenfassung
Schießen mit Klicker ist eine sehr hilfreiche Technik für Recurveschützen. Richtig angewandt sorgt es dafür, dass der Schuss zu einer einzigen Bewegung wird. Außerdem sorgt der Klicker dafür, dass der Schütze während des Lösens seinen Fokus auf die Körperspannung behält und er verhindert unerwünschte Bewegungen während des Lösens.
Ein paar zusätzliche Bemerkungen
Ursprünglich war der Klicker eine reine Auszugskontrolle, mit der sichergestellt werden sollte, dass die Auszugslänge bei jedem Schuss gleich ist. Schnell nach der Einführung des Klickers hat man jedoch herausgefunden, dass die Schützen, die einen Klicker verwenden, deutlich bessere Ergebnisse erzielten, als die Schützen, die ohne Klicker schossen.
Ich habe Euch schon in den Trainer-Tipps vom Februar 2025 (siehe "Grundlagen" Abschnitt 5.)n Hinweise auf den Gebrauch des Klickers, seine Funktion als Auszugskontrolle und als Löse-Signal gegeben und möchte diese hier nicht noch einmal komplett wiederholen.
Dennoch will ich allen Recurveschützen (für die Blank-Schützen und die Compound-Schützen ist das Thema vollkommen unwichtig) dringend den Gebrauch eines Klickers ans Herz legen. Wenn Ihr auf den Klicker verzichtet und bewusst löst, verzichtet Ihr auf ein kleines Hilfsmittel, das Eure Ergebnisse deutlich verbessern kann. Es gibt keine Schützen im Weltcup oder in der nationalen Spitze, die auf den Klicker verzichten.
Ein Schütze, der ohne Klicker schießt und somit bewusst löst, kommt unter Umständen in die Situation, in der er mit seinem Zielbild „nicht zufrieden“ ist. Er wird nun versuchen, dieses Zielbild zu verbessern (genauer/besser zielen). Dabei versucht er, genau in dem Moment den Pfeil loszulassen, in dem das Visier mittig im Gold steht.
Er muss sich aber darüber im Klaren sein, dass allein seine Reaktionszeit vom Gedanken „jetzt Lösen“ bis zum Öffnen der Finger mindestens 0,2 s beträgt (und bei älteren Schützen wahrscheinlich deutlich mehr). Das bedeutet aber, dass durch den unvermeidlichen Muskeltremor (Zittern) der Bogen zum Zeitpunkt schon wieder ganz woanders hinzeigt als zum Zeitpunkt, an dem der Gedanke „Lösen“ kam.
Es ist prinzipiell nicht möglich, diesen Muskeltremor vollständig auszuschalten. Das bedeutet, dass bei jedem Schützen das Visier sich in einem mehr oder weniger großen Bereich, der sog. Haltefläche bewegen wird. Außerdem wird das Zittern sich verstärken, je länger der Schütze versucht, sein Zielbild zu verbessern, was zusätzlich noch die Qualität des Schussen verschlechtern wird. Die Bewegung des Visiers in der Haltefläche kann man sehr schön im Lehrposter des DSB sehen (vgl. Abbildung).

Das Training muss dahin ausgerichtet werden, dass der „Klick“ zum richtigen Zeitpunkt kommt. Der Schütze muss lernen, sein Ziel- und Auszugsverhalten so zu koordinieren und zu optimieren, dass beim Fallen des Klickers das Visierkorn in seiner Haltefläche steht. Dabei muss konsequent darauf geachtet werden, dass wirklich auf den „Klick“ gelöst wird und sich somit ein Automatismus bildet.
Es gibt einige (auch namhafte) Schützen und Trainer, die den beschriebenen Automatismus kritisieren und meinen, dass man den Klicker eben nicht als Löse-Signal verstehen dürfe. Das Argument, welches immer wieder genannt wird ist: „Was ist, wenn man nicht im Ziel steht und der Klicker fällt?“
Das Argument ist richtig und in einem solchen Fall wird es wahrscheinlich kein guter Schuss, wenn der Schütze wirklich nur auf das Klicken lösen würde. Aber wie geschrieben, das Ziel des Trainings für den Klickereinsatz ist ja, dass der „Klick“ eben zum richtigen Zeitpunkt kommt. Je besser der Schütze trainiert ist, umso genauer „weiß“ er, wann sein Klicker fallen wird und er wird beispielsweise bei Wind seinen Auszug entsprechend verzögern.
Richtig angelernt und korrekt trainiert wird der Schütze nicht einfach beim „Klick“ seine Finger aufmachen, sondern er hat gelernt, dass zum Lösen sowohl der Klick, als auch die Position des Visiers in der Haltefläche und der korrekte Schussaufbau (siehe "Grundlagen") gehört. Nur wenn alles zusammenpasst, wird er lösen oder aber absetzen.
Ein neuer Bogen
Quelle: Trainertipps November 2025
Für den ersten Teil dieser Trainer-Tipps habe ich wieder auf einen Artikel aus dem Internet zurückgegriffen, ihn übersetzt und diesmal allerdings noch ein paar Sätze dazu geschrieben. Wenn jemand das Original lesen möchte findet er es in der Ausgabe 117 des „Bow International magazine“ unter der Adresse http://www.bow-international.com/features/do-you-really-need-a-new-bow/. Meine eigenen Anmerkungen habe ich wie üblich kursiv geschrieben.
Im zweiten Teil gehe ich etwas auf die Auswahl von Stabilisatoren und Dämpfern ein und widme mich ein wenig der Analyse von Werbeversprechen der Industrie.
1. Brauche ich wirklich einen neuen Bogen?
Denkst Du darüber nach, einen neuen Bogen zu kaufen? Wie wichtig ist es, mit dem technischen Fortschritt mit zugehen und ist es lohnenswert, sein Material immer auf dem neuesten Stand zu halten? Oder ist es Geldverschwendung immer das neueste Material haben zu wollen? Der folgende Artikel soll eine Hilfe bei der Beantwortung dieser Fragen sein.
Es ist keine Frage, dass die Hersteller jedes Jahr versuchen ihre Produkte zu verbessern und keinen Stein auf dem anderen lassen, um kleine Verbesserungen zu finden. Um die eingangs gestellten Fragen beantworten zu können, ist es allerdings wichtig zu wissen, ob Du Recurve oder Compound schießt und auf welchem Wettkampflevel Du bist.
Wenn Du ein Top-Schütze bist, dann können kleinste Vorteile, die Dir das neue Material liefert, eine sinnvolle Investition sein und die zusätzlichen Ringe liefern, die Du in engen Wettkämpfen brauchst, um zu gewinnen.
Wenn Du ein Vereinsschütze bist, der ein gewisses Talent an den Tag legt (und die Fragen kommen meist von solchen Schützen) ist es nicht notwendig, deine Ausrüstung jedes Jahr (auch nicht im Verlauf mehrerer Jahre) zu tauschen. Wenn Du einen Bogen hast, den Du gern schießt, wirst Du eventuell gar nicht den Wunsch haben, ihn zu tauschen, selbst wenn es finanziell möglich wäre.
Betrachtet man einen Recurvebogen genauer, so handelt es sich um einen relativ einfachen Mechanismus, der wesentlich weniger von technischen Neuerungen profitiert wie ein Compoundbogen. Man sollte immer im Gedächtnis behalten, dass in den 1980’ern Schützen wie Darrel Pace Ergebnisse von mehr als 1350 Ringen (von 1440) in der großen Fita erreichte und dabei einen Bogen verwendete, der nach heutigen Maßstäbe als primitiv betrachtet würde und dabei mit Aluminium-Pfeilen schoss. Der aktuelle Weltrekord der Damen für die große Fita steht bei 1405 (von 1440) Ringen und wurde 2005 erzielt, der der Herren liegt bei 1391 Ringen aus dem Jahre 2014. Solange ein Schütze nicht in diese Bereiche vorstößt, ist anzunehmen, dass seine Ausrüstung vollkommen ausreichend ist und er seine Aufmerksamkeit mehr auf seine Form und seine Technik richten sollte.
Ähnliches gilt, trotz umfangreicher Änderungen am Design und der Technik, für Compounds. Clint Freemanns Weltrekord von 1409 Ringen, der aus dem Jahr 1998 stammt, hat jahrelang gehalten und der aktuelle Rekord ist nur 12 Ringe höher, obwohl Clints Bogen verglichen mit heutigen Bögen erschreckend durchschnittlich war. Clint hat auf inoffiziellen Wettkämpfen mit seinem Bogen auch schon 1420 Ringe erzielt. Es ist also klar, dass trotz fortschreitender technischer Entwicklung des Materials nicht die Technologie der maßgebende Faktor zum erreichen höherer Ringzahlen ist, es ist vielmehr der Schütze selbst.
Das soll allerdings nicht heißen, dass es grundsätzlich falsch wäre, nach neuer Ausrüstung zu schauen. Es ist wichtig, dass sich ein Schütze mit seiner Ausrüstung wohl fühlt und gern damit schießt. Wenn man sich nun in ein neues Mittelteil „verguckt“ hat und es unbedingt haben will, dann sollte man es sich auch kaufen, sofern man es sich leisten kann.
Man darf nicht den Fehler machen und denken, dass ein älterer Bogen nicht in der Lage wäre hohe Ringzahlen zu schießen. Richte Deine Aufmerksamkeit im Training auf Deine Form und Technik und dein Bogen wird das seine zu den Ergebnissen tun, auch wenn er nicht das neueste Modell ist.
2. Stabilisierung und Dämpfer
So wenig wie ich der Ansicht bin, dass man seinen Bogen dauernd wechseln muss, um bessere Ergebnisse zu schießen, so sehr befürworte ich, dass ein Schütze offen für Veränderungen seiner Ausrüstung ist (auch wenn ich nicht gerade ein Vorbild in dieser Richtung bin).
Nur durch immerwährendes Probieren und Testen neuer Ausrüstungsbestandteile kommt man der optimalen Kombination von Bogen und Zubehör näher.
2.1 Stabilisierung
Stabilisatoren haben zwei Funktionen. Einerseits verhindern sie im Auszug schnelle Bewegungen des Bogens (machen das Verhalten träge) und zum zweiten verhindern sie, dass sich der Bogen im Abschuss verdreht. Die Wirkung der Stabilisierung beruht auf dem Vergrößern des Trägheitsmoments. (nach der Formel J = m * l2).
Der prinzipielle Aufbau von Stabilisations-Systemen ist eigentlich immer gleich. Ein Gewicht ist über eine Stange am Bogen befestigt. Je schwerer das Gewicht bzw. je länger die Stange, umso größer die Stabilisierungswirkung. Aus der Gleichung sieht man, dass die Vergrößerung der Länge wirkungsvoller ist als die Erhöhung des Gewichts.
Üblich ist, einen Hauptstabilisator (meist 30“...32“) in Schussrichtung und zwei Seitenstabilisatoren (10“...12“, teilweise länger) zu verwenden. Die Stabilisatoren werden an der sog. Spinne (oder auch V-Bar) befestigt (Gewinde 5/16“x24). Feste Spinnen gibt es üblicherweise mit Winkeln von 70°...90°, teilweise auch nach unten geneigt. Es gibt auch verstellbare Spinnen, damit man experimentieren kann, welcher Winkel und welche Neigung zum eigenen Stil passen.
An den Enden der Stabilisatoren können Gewichte und Dämpfer (siehe 2.2) angebracht werden. Ob man einen Extender/Vorbau (und wenn ja, welcher Länge (3“...5“)) verwendet, muss man austesten.
Das System muss zum Schützen und zum Bogen passen und jeder Schütze muss selbst herausfinden, mit welchem System er gut schießt und mit welcher Ausstattung (Länge, Gewicht, Dämpfung...) er am besten zurechtkommt. Ich persönlich mag das Stabilisatorsystem von Gabriel, das die Dämpfung am Bogen und nicht am Ende des Stabilisators hat. Die Seitenstabilisatoren habe ich lieber mit wenig Gewicht und einem 90°-Winkel nach unten geneigt. Damit ergibt sich ein geringes Kippmoment.
Nur weil der Weltranglistenerste einen XXX-Stabilisator schießt, heißt das noch lange nicht, dass dieses System für einen von uns gut ist. Abgesehen davon, dass Profis das schießen, für das sie bezahlt werden.
Empfehlenswert ist, möglichst viele Systeme zur Probe zu schießen und dabei mit unterschiedlichen Gewichtsverteilungen zu experimentieren. Manchen Schützen liegt es, wenn die Stabilisation sehr schwer ist, manche mögen lieber weniger Gewicht. Im Auszug sollte der Bogen ein neutrales Verhalten zeigen, also weder nach vorn, noch nach hinten „ziehen“. Nach dem Schuss (beim Nachhalten) sollte der Bogen nach vorn kippen. Wie stark ist Geschmacksache.
2.2 Dämpfer
Dämpfer dienen dazu, Vibrationen, die durch den Abschuss erzeugt werden, zu dämpfen und ihre teilweise schädlichen Auswirkungen (z.B. losgerüttelte Schrauben) zu verringern. Üblicherweise werden Dämpfungselemente an den Enden der Stabilisatoren befestigt (Gewinde 1/4“), es gibt aber auch mein System von Gabriel und Zusatzdämpfer, die man für bestimmte Anwendungen direkt am Bogen (Gewinde 5/16“ x 24) anschraubt. Die Formular-Wurfarme von Hoyt beispielsweise werden oft mit solchen Dämpfern versehen.
Auch das ist etwas, was für jeden Schützen anders sein kann, und sowohl vom Schießstil als auch vom Material (Wurfarm, Sehne, Pfeile...) abhängt. Ihr müsst durch experimentieren herausfinden, welche Dämpferkombination für Euch gut ist und bei welcher Ihr Euch gut fühlt.
Es gibt Dämpfer von verschiedenen Firmen (OK, AGF, Doinker...), teilweise auch einstellbare. Jeder Dämpfer hat eine eigene Charakteristik (Härte, Dämpfungsvermögen) und es gibt nicht DEN Dämpfer, weil jeder von uns anders schießt und vor allem ein eigenes Empfinden hat. Was für mich gut ist, kann für jeden anderen schlecht sein. Eventuell könnt ihr ein Dämpfersystem zum Testen auch von einem Mitschützen ausleihen.

Gewichte können vor dem Dämpfer, nach dem Dämpfer und auf beiden Seiten angebracht sein. Durch probieren muss man selbst herausfinden, welche Kombination einem liegt. Dabei sollte man ruhig auch Dämpfer mit unterschiedlicher Charakteristik (weich, hart) ausprobieren.
Schwere Gewichte vor dem Dämpfer sind weniger empfehlenswert, da sie den Stabilisierungseffekt im Schuss verkleinern. Derzeit geht der Trend zu schweren Gewichten an den Enden der Stabis ohne zusätzliche Dämpfer.
Ganz wichtig ist: Dämpfer und Stabilisierung „arbeiten Hand in Hand“ und müssen zueinander passen und aufeinander abgestimmt sein. Ein weich eingestellter Beiter-Stabilisator dämpft selbst schon und braucht daher einen ganz anderen Dämpfer (eventuell gar keinen) als ein harter ArcTeC-Stabilisator. Zu Stabilisierung und Dämpfung von Recurve-Bögen gibt es eine hervorragende Beschreibung (allerdings nur in englischer Sprache) unter folgendem Link: (http://www.tenzone.org.uk/Equipment/stabilisation/pdfs/stab4a4.pdf)
3. Werbung und Versprechen
Wenn man sich gelegentlich die Werbung für Bögen, Pfeile und Zubehör ansieht, kommt man zu dem Schluss, dass die Industrie im Jahreshythmus neues Material erfindet, das dafür sorgt, dass wir Schützen quasi nicht mehr danebenschießen können. Dass dabei immer wieder Dinge versprochen werden, die so nicht stimmen (können), möchte ich an zwei Bespielen zeigen.
In der heutigen Zeit ist es für Verbraucher oft schwierig, zwischen fundierten technischen Innovationen und reinen Marketingversprechen zu unterscheiden. Viele Unternehmen nutzen gezielte Werbestrategien, um ihre Produkte attraktiver erscheinen zu lassen, als sie es in der Praxis tatsächlich sind. Daher ist es ratsam, sich nicht ausschließlich auf Werbeaussagen zu verlassen, sondern eigene Erfahrungen zu sammeln oder unabhängige Tests und Berichte zu Rate zu ziehen.
Bei der Auswahl von Zubehör sollte man grundsätzlich kritisch bleiben und sich nicht allein von Werbeversprechen leiten lassen. Oft lohnt es sich, Erfahrungsberichte anderer Schützen zu lesen oder Produkte selbst auszuprobieren, bevor man eine Kaufentscheidung trifft. So kann man besser einschätzen, ob ein angeblich innovatives Produkt wirklich einen spürbaren Vorteil bringt oder ob die Unterschiede in der Praxis kaum ins Gewicht fallen.
Die Vielfalt an Angeboten und technischen Details kann schnell überfordern, besonders Einsteiger. Daher empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines neuen Produkts nicht nur auf Werbeversprechen zu achten, sondern auch Meinungen erfahrener Schützen oder unabhängige Testberichte zu berücksichtigen. So lässt sich besser einschätzen, ob ein Produkt tatsächlich den eigenen Anforderungen entspricht oder ob die beworbenen Vorteile in der Praxis relevant sind.
3.1 Easton X10
Ein Händler bewirbt die Easton X10 Pfeile mit der Aussage: „Der X10 Schaft wurde speziell für den Weitschuss entwickelt, mit besonderem Augenmerk auf die Finalduelle auf 70 m“. Es ist unbestritten, dass der X10 ein sehr guter Pfeil ist, er hat allerdings keine nennenswerten Vorteile gegenüber dem ACE vom gleichen Hersteller, ist aber über 25% teurer und braucht schweineteure Spitzen.
Weder der Hersteller noch der Händler erklären, was an den 70 m-Duellen besonders ist, bzw. wodurch sich diese vom normalen Wettkampf über 70 m unterscheiden, außerdem sei festgehalten, dass der aktuelle Hallenweltrekord (18 m, 599 Ringe) bei den Herren mit X10 geschossen wurde, was dafür spricht, dass der Pfeil auch auf kürzere Entfernung funktioniert.
Es wird auch immer wieder behauptet, dass der X10 weniger windanfällig sei, da er schwerer und dünner ist. Es gibt eine Untersuchung, bei der rechnerisch X10 und ACE verglichen wurden. Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:
|
Pfeil |
Anfangsgeschwingigkeit (m/s) |
Flugzeit für 70 m (s) |
Seitenabweichung (cm) |
|
ACE |
65,9 |
1,15 |
25 |
|
X10 |
64,1 |
1,16 |
22 |
Das heißt, der X10 hat auf 70 m bei gleichen Bedingungen eine um 3 cm geringere Seitenabweichung als der entsprechende ACE (aber aufgrund des Gewichts eine deutlich tiefere Visiereinstellung), was meiner Meinung nach den deutlich höheren Preis nicht rechtfertigt. Das mag ein Spitzenschütze, bei dem es u.U. auf genau diese drei 3 cm weniger Abweichung ankommt, anders sehen, der bekommt aber auch einen deutlichen Nachlass auf die Pfeile, wenn er sie nicht gar gesponsert bekommt. Einen technischen/physikalischen Grund, ACE durch X10 zu ersetzen gibt es nicht.
3.2 Neue Fletches
Es gibt mal wieder neue Fletches, die, glaubt man den Beteuerungen des Herstellers, das Bogenschießen revolutionieren werden. In diesem Fall handelt es sich um die „KSL Jet vanes“, die so gestaltet sein sollen, dass sie „die Luftwirbel zusammenziehen und dadurch die Reibungskraft verringern und so den Pfeil schneller machen“. Abgesehen davon, dass turbulente Strömungen sich eben nicht berechnen lassen, ist die Aussage, dass die Wirbel zusammengezogen würden, physikalisch betrachtet Blödsinn.

Auch die Aussage, dass sich durch diese Art Federn die Gruppierung verkleinert ist zunächst einmal nur eine Behauptung. Der Hersteller wird wahrscheinlich diese Dinger an verschiedene Weltklasse Schützen verschenken, bzw. diesen sogar Geld bezahlen, dafür, dass sie diese Fletches schießen. Und dann werden die Ergebnisse nicht den guten Schützen, sondern nur den Fletches zugeschrieben.
Es ist mehr oder weniger egal, was für Federn Ihr auf Eure Pfeile klebt, solange Ihr keine 4“-Naturfedern auf die Pfeile macht, mit denen Ihr 70 m schießen wollt und sorgfältig arbeitet. Eine Aussage über die Gruppengröße ist nur über eine aufwändige Versuchsreihe mit mehreren Pfeilsätzen möglich, und die Ergebnisse einer solchen hat bislang noch niemand gezeigt.
Was sind Bogensport-Mythen?
Quelle: Trainertipps November 2024
Mit Bogensport-Mythen meine ich verschiedene Behauptungen, die man immer wieder auf Bogenplätzen zu hören bekommt und deren Richtigkeit eher ... sagen wir einmal fragwürdig ist. Oft bekommt man dabei Dinge erzählt, die einfach falsch sind.
Wenn man dann solche Behauptungen genauer hinterfragt, hört man als Argument öfters, dass es der oder die Weltcup-Schützen genauso machen und dass das ja dann nicht falsch sein kann. Doch, kann es. Nur weil ein guter Schütze etwas macht, heißt das noch lange nicht, dass dies immer für jeden richtig ist. Es ist jedoch richtig für diesen einen Schützen. Gäbe es eine absolute Wahrheit, würden es alle guten Schützen gleich machen, und dass dies nicht so ist, sieht man auf jedem Wettkampf.
Kommen wir nun zu den verschiedenen Behauptungen.
1 Carbon-Wurfarme lassen sich leichter ziehen als Holz-Wurfarme
Das ist eine der „berühmtesten“ Behauptungen, die komplett falsch ist. Immer wieder hört man die Aussage, bei Carbon-Wurfarmen könnte man ein höheres Zuggewicht nehmen als bei Holzwurfarmen, da sich die Carbonwurfarme „leichter ziehen“ lassen. Was ist von dieser Behauptung zu halten?
Rein technisch betrachtet ist sie falsch.
Alle Wurfarme werden mit dem Zuggewicht bezeichnet, welches sie bei einem genormten Auszug (üblicherweise 28“) haben. Demzufolge ergeben sowohl Holzwurfarme, als auch Carbonwurfarme bei gleichem angegebenem Zuggewicht die gleiche Zugkraft auf den Fingern (im Rahmen der üblichen Fertigungstoleranzen). Es sind also 40 lbs eines Carbonwurfarmes = 40 lbs eines Holzwurfarmes (es wiegt ja auch 1 kg Federn nicht weniger als 1 kg Eisen).
In diesem Zusammenhang noch ein paar Bemerkungen:
- Wurfarme mit einfacher Konstruktion (Innenaufbau ist meist nur aus Holz und/oder Glasfaser) sind meist relativ schwer und träge. Modernere Konstruktionen mit hohem Carbon-Anteil sind leichter und schneller. Dadurch geben sie auch die gespeicherte Energie besser an den Pfeil ab (sie sind „effektiver“) und beschleunigen so den Pfeil stärker. Das kann bedeuten, dass man unter Umständen mit einem etwas geringeren Zuggewicht auskommt, wenn man moderne Carbonwurfarme verwendet (und somit auch weniger Zuggewicht auf den Fingern hat).
- Wurfarme älterer Konstruktion, aber auch Wurfarme mancher Hersteller, haben den Ruf „härter“ zu sein als andere. Was bedeutet diese Aussage?
Alle Wurfarme werden mit dem Zuggewicht bezeichnet, welches sie bei einem genormten Auszug (üblicherweise 28“) haben. Jeder weitere Auszug ergibt nun auch ein höheres Zuggewicht. Überschlägig kann man mit einer Kraftzunahme von 2...2,5 lbs pro Zoll mehr Auszug rechnen.
Bei manchen Wurfarmen steigt die Kraft etwas stärker an und diese Wurfarme werden dann härter genannt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein durchschnittlich begabter Schütze den Unterschied mit den Fingern erspüren kann, es handelt sich dabei um ca. 1 lbs (0,453 kg) bei einem Gesamtgewicht von ca. 40 lbs auf den Fingern.
Wenn man eine solche Aussage ernsthaft machen will, muss man von beiden zu vergleichenden Wurfarmen eine Auszugskurve aufnehmen (und muss das sorgfältig tun) und dann diese ermittelten Kurven vergleichen. Eine Aussage wie z.B.: „Hoyt ist hart und Win&Win ist weich“ ist nur Marketing-Geschwätz und entbehrt jeglicher Grundlage.
Ein echtes „hart werden“ (d.h. ein überproportionaler Anstieg der Zugkraft, wird auch als Stacking bezeichnet) haben mehr oder weniger alle Wurfarme, das beginnt aber erst bei Auszuglängen deutlich oberhalb von 30“.
- Es gibt (nur wenige und sehr teure) Wurfarme, die sich durch ein spezielles Design der Recurves (des zurückgebogenen Bereichs) auszeichnen. Diese werden hergestellt von der Firma BORDER in England und von UUKHA in Frankreich. Diese Wurfarme sind im Recurve-Bereich deutlich stärker gekrümmt als die üblichen Wurfarme und sollen dadurch tatsächlich ein weicheres Auszugsverhalten (=flachere Auszugskurve) zeigen.
Eine korrekte Aussage dazu ist aber an Hand des Hersteller-Prospekts allein gar nicht möglich, solange keine gemessene Auszugkurve (und keine Vergleichskurve eines Konkurrenzprodukts) vorliegen.
2 Eine Sehne muss eingedreht werden, damit sie beim Lösen nicht auffächert
Es wird oft behauptet, dass man eine Sehne mindestens soundso oft (die Zahlen schwanken von 20 bis 40) eindrehen müsse, damit sie während des Schussen nicht „auffächert“ und dadurch bremst.
Was ist von dieser Behauptung zu halten?
Wenn eine Sehne auf einen Bogen aufgespannt ist, dann wird sie (je nach Zuggewicht des Bogens) mit ca. 250 N bis 350 N belastet und diese Belastung bleibt auch während des Schusses mehr oder weniger konstant. Zusätzlich muss man sich klar machen, dass der ganze Schuss (also vom Lösen bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Pfeil die Sehne verlässt) nur ungefähr 11/1000 Sekunden dauert. In diese Zeit beschleunigt die Sehne von 0 auf ca. 200 km/h, d.h. die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt nur 100 km/h.
Der bei dieser Geschwindigkeit entstehende „Fahrtwind“ ist keinesfalls in der Lage, die einzelnen Stränge der Sehne gegen den Zug der Sehne aufzufächern, da die Kraft, die dieser „Fahrtwind“ auf die Stränge ausüben kann, viel zu klein ist.
Dennoch wird eine Sehne eingedreht. Das ist immer notwendig, um die korrekte Standhöhe einzustellen. Durch stärkeres Eindrehen verkürzt sich die Sehne und die Standhöhe des Bogens wird größer bzw. umgekehrt.
Ihr solltet darauf achten, dass Ihr die Standhöhe Eures Bogens immer gleich einstellt, haltet Euch dabei an die Angabe in der Bedienungsanleitung. Solltet Ihr keine haben, dann gibt die folgende Tabelle ein paar Daumenwerte.
| Langer Wurfarm | Mittlerer Wurfarm | Kurzer Wurfarm | |
| Kurzes Mittelteil (23“) | 21,5...23,5 | 20,5...23,0 | 20,0...22,5 |
| Langes Mittelteil (25“) | 22,0...24,0 | 21,5...23,5 | 20,5...23,0 |
Diese, aber auch die Angabe in den Bedienungsanleitungen, sind keine absoluten Werte und man sollte sie nicht übermäßig ernst nehmen. Ganz besonders, wenn man Wurfarme und Mittelteile verschiedener Hersteller mischt (also ein Hoyt-Mittelteil mit WIN&WIN-Wurfarmen), bzw. wenn kurze (23“) oder lange (27“) Mittelteile geschossen werden.
Der absolute Betrag der Standhöhe ist meiner Meinung nach nicht so wichtig, sofern Ihr Euch im Rahmen der Bedienungsanleitung bewegt. Manche sehr gute Schützen schießen für sich die Standhöhe aus, in dem sie bei verschiedenen Werten jeweils den Gruppenumfang messen, andere verstellen sie so lange, bis der Bogen am leisesten ist. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Standhöhe nicht unabhängig von Tillerwert und Nockpunktüberhöhung eingestellt wird, sondern diese Werte ebenfalls in das Tuning einbezogen werden müssen.
Wichtig ist meiner Meinung nach, dass Ihr bei jedem Aufspannen prüft, ob die einmal festgelegte Standhöhe stimmt und Ihr sie durch ein-/ausdrehen korrigiert.
3 Eine Sehne muss für Links- und Rechtsschützen unterschiedlich eingedreht werden
Auch eine Behauptung, die man immer wieder hört. Wäre sie richtig und wäre die Richtung des Eindrehens wichtig, dann müsste der Händler beim Kauf einer neuen Sehne immer fragen: „Bist Du Rechts- oder Linksschütze?“ Mir ist diese Frage jedenfalls noch nicht begegnet und ich war schon bei einigen Händlern.
Warum aber behaupte ich, dass die Richtung des Eindrehens unwichtig ist?
Wenn der Schütze in die Sehne greift und zieht, dreht sich die Sehne nicht. Wenn er dann löst, also seine Finger öffnet, behaupten die Vertreter dieser Behauptung, würde die Sehne über die Fingerkuppen „rollen“ und dabei auf-bzw. abgewickelt werden.
Dazu muss man sich allerdings klarmachen, dass im Moment des Lösens die Finger quasi kraftlos werden und die Sehne mit dem vollen Zuggewicht nach vorn zieht. Zwischen Sehne und Tab-Leder ist nun fast keine Kraft mehr und die Reibung zwischen der Sehne und dem Leder ist dadurch sehr klein. Durch diese kleine Restkraft kann es zu keiner Verdrehung der Sehne kommen, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Zugkraft in der Sehne (siehe Punkt 2) sehr groß ist.
Man kann versuchen, eine solche Verdrehung zu provozieren, indem man den Bogen versuchsweise einmal nicht voll auszieht und versucht die Sehne über das Leder „abrollen“ zu lassen. Dabei wird man merken, dass sich die Sehne quasi nicht dreht. Die kleine Drehung, die man beobachten kann, rührt daher, dass bei dieser Simulation das Lösen viel langsamer abläuft, die Handhaltung eine ganz andere ist als beim richtigen Lösen und dadurch die Reibung zwischen Tab und Sehne tatsächlich für eine leichte Drehung sorgen kann, die beim richtigen Schuss nicht auftritt.
4 Die Wickelrichtung der Mittelwicklung muss für Links- und Rechtsschützen unterschiedlich sein
Diese Behauptung hört man auch immer wieder und sie ist genauso falsch wie die, die ich unter Punkt 3 besprochen habe. Es wird oft behauptet, dass eine falsch herum gewickelte Mittelwicklung sich durch das „Abrollen“ über die Fingerkuppen öffnen bzw. lose werden würde.
Wenn eine Mittelwicklung lose wird, dann hat derjenige, der sie hergestellt hat, schlecht gearbeitet. Ich schieße nun schon einige Zeit, habe bei meinen Sehnen weder auf den Drehsinn beim Eindrehen, noch auf die Wickel-Richtung der Mittelwicklung geachtet und mir ist noch nie eine Mittelwicklung lose geworden.
Wenn man sich dabei besser fühlt, kann man bei den Sehnen auf die Eindreh- und/oder Wickelrichtung achten, es schadet allerdings überhaupt nicht, wenn man es nicht tut. (Das gilt auf jeden Fall bei Recurve-Bögen. Bei Compoundbögen muß man prüfen, ob das Eindrehen Einfluss auf die Rotation des Peep-Sights hat).
5 Pfeile eines bestimmten Typs brauchen einen bestimmten FOC-Wert
Immer wieder hört man, dass ein bestimmter Pfeiltyp einen bestimmten FOC-Wert haben muss, damit er richtig fliegt. Was ist der FOC-Wert und warum ist er nicht wichtig?
FOC ist die Abkürzung für „forward of center“ (manche sagen „front of center“) und beschreibt den Abstand, den der Schwerpunkt des Pfeils vom geometrischen Mittelpunkt hat. Er wird nach der folgenden Formel berechnet (Beispiel von EASTON):

Man balanciert dazu den Pfeil auf einer Kante aus, misst die Längen L und A und berechnet dann den FOC-Wert.
In manchen Publikationen liest man immer wieder Aussagen wie die folgende: „Ein höherer FOC-Wert (Schwerpunkt näher an der Spitze) bedeutet einen stabileren Pfeilflug mit mehr Wucht, jedoch parabelförmiger und darunter leidet die Reichweite. Aus einem niedrigeren FOC-Wert (Schwerpunkt näher am Mittelpunkt) resultiert eine flachere Flugkurve mit der man größere Distanzen überwinden kann, dafür muss man jedoch einen unruhigeren und unpräziseren Pfeilflug in Kauf nehmen.“
Oder: „Ist der FOC zu groß, geht die Spitze nach unten, ist er zu klein, geht die Spitze nach oben bzw. der Pfeil fängt an zu trudeln, weil das Heck nach vorne kommen will“
Diese Aussagen sind vollkommen falsch. Ein Pfeil wird sich immer entlang seiner Wurfparabel bewegen und dabei immer an der Tangente zu dieser Parabel ausgerichtet sein. Das macht er auch ohne Befiederung, da der Punkt, an dem die Luftwiderstandskraft angreift (das ist der Punkt, an dem die laminare Strömung in eine turbulente übergeht) immer hinter dem Schwerpunkt liegt. Eine Befiederung sorgt nun dafür, dass sich der Pfeil bei Störungen (z.B. Turbulenzen in der Luft) schneller ausrichtet.
Man darf dabei nicht den Fehler machen und einen Pfeil mit einem Speer zu vergleichen. Ein Speer ist dazu da, eine größtmögliche Weite zu erzielen und ist daher auf Auftrieb ausgelegt, während ein Pfeil möglichst genau treffen soll.
Wichtig ist im Zusammenhang mit dem FOC Wert lediglich, dass alle Pfeile eines Satzes den gleichen Wert haben sollten, aber das ergibt sich von selbst, wenn man seine Pfeile sorgfältig baut. Wichtig ist, dass alle Pfeile eines Satzes genau gleich lang sind, die gleiche Spitze haben und mit den gleichen Federn bestückt sind. Dann werden das Gewicht und auch der FOC gleich sein. Wie der Wert des FOC ist, ergibt sich dann und es ist auf keinen Fall notwendig die Pfeile auf einen bestimmten Wert auszulegen.
6 Die Befiederung soll in einem Winkel angebracht werden, um den Pfeil zu stabilisieren
In diesem Zusammenhang auch noch ein weiterer Mythos, der immer wieder auftaucht: Man liest immer wieder, man solle die Federn immer in einem Winkel auf den Schaft kleben, damit sich der Pfeil durch die dadurch hervorgerufene Rotation während des Fluges besser stabilisiert. Teilweise folgt noch der Hinweis, dass der Winkel bei Linkshandschützen und Rechtshandschützen unterschiedlich sein soll.
Auch diese Behauptung ist nicht korrekt. Ein Pfeil ist, ballistisch gesehen, ein Geschoß bei dem das Verhältnis von Länge zu Durchmesser groß ist. Dadurch liegt, wenn das Geschoß schnell genug fliegt, der Angriffspunkt der Luftwiderstandskraft immer hinter dem Schwerpunkt und dadurch wird das Geschoß stabilisiert. Die Befiederung verschiebt diesen Punkt noch weiter nach hinten und sorgt so dafür, dass sich der Pfeil bei Störungen (z.B. Turbulenzen in der Luft) schneller ausrichtet.
Bei Geschossen von Gewehren oder Pistolen ist das o.g. Verhältnis sehr klein und dadurch benötigen diese Geschosse eine Drallstabilisierung, die durch die Züge im Lauf der Waffen hervorgerufen wird. Dabei wird die Drehzahl der Geschosse sehr groß, während die Schrägstellung der Federn nur eine langsame Drehung zur Folge hat, die sowieso nicht stabilisierend wirken würde.
Prinzipiell kann man die Federn seiner Pfeile gerade aufkleben. Es gibt jedoch einen Grund, dennoch einen kleinen Winkel zu nehmen. Durch die langsame Drehung während des Fluges werden nun kleine Ungenauigkeiten bei der Herstellung der Pfeile statistisch ausgeglichen.
